Radasha Petrovna

Name
Radasha Petrovna

Sie hört es nur ungern, aber auf der Erde haben viele Freunde sie „Dasha“ gerufen. Abkürzungen schätzt sie nicht sonderlich, aber wenn sie jemand so nennt, hindert sie ihn auch nicht daran. Andere Abkürzungen oder Verniedlichungen hasst sie und wenn man dies nicht respektiert, dann wird sie einfach kurzzeitig taub, um denjenigen so daran zu erinnern, dass sie das nicht leiden kann.


Alter
Radasha ist 19 Jahre alt, benimmt sich aber in vielen Situationen wesentlich erwachsener. Natürlich kann sie auch absolut kindisch sein oder recht zickig wie viele Mädchen in ihrem Alter, aber meist gibt sie sich doch sehr erwachsen.


Rasse
Das Mädchen ist von der Erde, also menschlich. Genauer gesagt ist sie eine Telepathin und zwar eine Abtrünnige.


Arbeit
Einer richtigen Arbeit geht Radasha nicht nach. Ab und zu geht sie ins „Dark Stars“, in dem sie nachfragt, ob sie aushilfsmäßig als Kellnerin arbeiten kann. Auch hatte sie schon oft darüber nachgedacht, ihren Körper zu verkaufen. Wenn ihr ein Mann oder eine Frau gefällt, dann macht sie das ab und zu auch. Allerdings sucht sie selbst aus, ob sie das auch will oder nicht. Zusätzlich schaut sie immer wieder, dass sie irgendwem auf der Station helfen kann und dadurch ein paar Credits bekommt, die sie braucht, um zu überleben und auch ihrem kleinen Kater was zum Fressen zu besorgen.


Herkunft und Familie
Geboren und aufgewachsen ist Radasha auf der Erde, genauer gesagt in St. Petersburg. Dort hat sie mit ihrer Familie in einer recht kleinen Wohnung am Rande der Stadt gelebt. Die Verhältnisse waren weder gut noch schlecht. Es war alles Nötige für ein gutes überleben da, aber Luxus besaßen sie nie.
Geschwister hat Radasha keine, sie war schon immer alleine und fand das auch recht gut so. Sie hätte weder ihre Eltern gerne geteilt, noch hätten sie in der Wohnung Platz für eine vierte Person gehabt.

Der Vater der jungen Russin, Ivan - 68 Jahre alt, war ein Soldat bei den Erdstreitkräften, ein Offizier, der inzwischen im Ruhestand ist. Seit dem Krieg gegen die Minbari ist er wohl nicht mehr der Selbe und es ist besser, wenn ihm keiner dieser Außerirdischen begegnet, denen er keine sonderlich positiven Gefühle entgegen bringt. Er war bei den Fußtruppen, hatte viele Männer und Frauen unter seinem Kommando verloren, was er sich selbst bis heute nicht verziehen hat, auch wenn ihn keine Schuld traf. Früher war er ein recht humorvoller Mann gewesen, immer einen Scherz auf den Lippen und einem freundlichen Funkeln in den Augen. Heute ist er ein recht stiller, zurückgezogener Mann, der seine paar Freunde noch ab und zu in einer Kneipe trifft, aber im Allgemeinen einfach sein Leben fristet.

Natascha Petrovna, 42 Jahre alt, ist eine recht hübsche Frau, zumindest war sie einmal eine Schönheit in jüngeren Jahren. Inzwischen sieht man ihr langsam das Alter an und auch die Sorge um ihren Mann und ihre Tochter. Natascha hatte sehr früh den wesentlich älteren Ivan Petrov geheiratet. Sie liebte ihren Mann und war immer recht glücklich mit ihm gewesen. Sehr spät entdeckte man bei einer Untersuchung, dass Natascha eine Telepatin war, deren Merkmale wohl sehr spät aufgetreten waren. Nun hatte sie sich zu entscheiden: Das PSI Corps, Gefängnis oder Medikamente. Sie war kein Gegner von Telepathen und so entschloss sie sich, ins PSI Corps zu gehen, bekam dann nach ihrer Ausbildung eine Stelle in der Nähe von ihrem Mann, so dass sie nicht getrennt werden mussten. Mit 23 bekam sie ihre Tochter Radasha.


Aussehen
Die Haare der Russin sind sicher ein Blickfang. Schwarze, seidig samtene Wellen umschmeicheln ihr Gesicht. Die Haarpracht ist nicht ganz glatt, sondern leicht gewellt. Dadurch, dass Radasha ihre Haare recht lang trägt und diese durch ihre Dicke und Gesundheit schwer sind, fallen sie schön über ihren Rücken bis zum Ende der Schulterblätter. Nur die Fransen, die ihr ins Gesicht fallen, sowie die Spitzen haben ihren eigenen Willen. Vor einiger Zeit hat sich die junge Frau einen Stufenschnitt zugelegt und, da er ihr recht gut zu Gesicht steht, diesen auch behalten. Seit kurzer Zeit hat sie auch wieder Stirnfransen, was sie lange Zeit nicht mochte, allerdings hatte sie beschlossen, ihre Frisur vertrug eine Neuerung. Meist trägt sie das Haar offen, was sich allerdings wieder ändert, wenn sie irgendeiner Arbeit nachgeht. Schnell wird die Pracht zu einem lockeren Zopf geflochten und die Haare, die nicht lang genug sind, hinters Ohr geklemmt. Wenn sie allerdings in den Regen kommt, kringeln sich die Haare, die nicht geflochten sind, zu kleinen Löckchen, die das Gesicht umrahmen.

Die Augen Radashas sind von einem schönen und intensiven Grün, das der Farbe des Grases gleicht und man hat das Gefühl, einem kleinen Wildfang gegenüberzustehen, wenn sie einen anblickt. Oft spielt der Schalk in ihren Augen und die Wildheit, die sie aber oft zu verbergen suchte. Dennoch hat man das Gefühl, als blicke sie einem direkt ins Herz, wenn Radasha sich jemandem direkt zuwendet. Sie ist wie ein offenes Buch und in ihrem Gesicht findet man meist die Wahrheit, wenn man sie sucht. Dunkle, markante, aber dennoch schmale Augenbrauen rahmen die Augen ein, die nicht lügen können und verleihen ihnen eine gewisse Ausdrucksstärke. Geschminkt sind die Augenlider meist recht dunkel, entweder blau oder violett und manchmal ist auch ein dunkles braun zu sehen. Ebenso verwendet Radasha recht viel Wimperntusche und macht damit die Augen zum interessantesten Punkt ihres Gesichtes.

Eine recht schmale, elegante Nase ziert das Gesicht der Russin und endet über einem fein geschwungenen Mund, dessen Lippen voll sind und recht verführerisch wirken können. Mit dunkelrosanem Lippenstift werden sie meist bedacht und verleihen ihr, genauso wie den Augen, einen interessanten Touch. Das Gesicht ist leicht rundlich aber dennoch fein gezeichnet. Die Haut ist heller als bei ihrer Mutter, die recht dunkel ist für eine Russin, aber genauso makellos. Sie wirkt wie eine Mischung aus Ocker und Sahne.

Auf ihre Figur ist sie recht stolz. Schlanke Arme und Beine und schön proportionierte Kurven sind ihr Eigen. Wenn man den Blick über ihren Körper gleiten lässt, bemerkt man einen schön geschwungenen Hals, der in zierlich schmale Schultern übergeht. Ihre Hände sind schlank und schmal, wirken fast zerbrechlich, so filigran sehen sie aus. Wenn ihre Haut heller wäre, könnte man die äderchen darunter sehen. Feste, schön geformte Brüste und einen flachen Bauch, der recht durchtrainiert wirkt, fallen weiters auf, wenn man den Körper entlang gleitet. Das Becken ist nicht zu schmal und der Po hat eine Apfelform, die durch das Gewand auch manchmal betont wird. Lange Beine vervollständigen das Bild. Die ganze Gestalt ist muskulös, was man aber nicht wirklich sieht.

Gekleidet ist Radasha recht unterschiedlich. Meist liebt sie es, sich in engen, recht vorteilhaften Kleidungsstücken, die aber dennoch bequem sind, zu präsentieren. Dunkle Rot-, Blau- und Brauntöne werden von ihr am liebsten getragen, genauso wie schwarze und weiße Kleidung. Weite Hosen, die ihre Beine umschmeicheln und Blusen in allen möglichen Ausführungen sind ihr das Liebste. Im Sommer finden auch Trägerleibchen Verwendung, wenn die Temperatur es zulässt, die ihren festen Bauch freigeben, und um sich vor Kälte zu schützen, zieht sie enge Pullover allem anderen vor.

Auch mancher Schmuck ziert den Körper der jungen Frau. Sie trägt gerne Ketten aus allerlei Materialien. Meist ziert allerdings eine matt schimmernde, perlmuttfarbene Perlenkette ihren Hals, die sie von ihrer Großmutter geschenkt bekommen hatte. Ebenso trägt sie oft Ohrreifen, die aus filigranem Silber sind. Ihre Hände werden durch schmale Ringe geschmückt. An der rechten Hand ist ein einfacher silberner Ring zu finden, ohne irgendeine Verzierung. Links trägt sie ebenso einen Ring aus Silber, allerdings mit einem kleinen Amethyst in der Mitte. Vor zwei Jahren hat sie sich auch ein Bauchnabelpiercing stechen lassen. Am liebsten trägt sie ein Piercing, das mit einem grünen Stein besetzt ist, was allerdings nur im Sommer manchmal zu sehen ist.


Einstellung
Radashas Einstellung gegenüber dem PSI Corps ist recht skeptisch. Lange hatte sie nicht gewusst, dass sie wie ihre Mutter Telepathin ist und immer wieder hatte sie sich vor diesen Menschen gefürchtet, die fähig sind, Gedanken zu lesen. Ihrer Mutter allerdings bringt sie Liebe und Vertrauen entgegen, was wohl durch deren Einstellung und Handlungsweise so ist.

Das Militär empfindet sie als notwendig und akzeptiert es einfach. Sie würde nie im Leben zu den Erdstreitkräften gehen, aber sie ist schon manchmal fasziniert von den Leuten und davon, was sie können und lernen. Durch die Veränderung ihres Vaters durch den Krieg, die sie in frühen Kindheitsjahren so halb mitbekommen hatte, hat sie allerdings doch ein wenig Respekt von dieser militärischen Gruppe.

Gegenüber Außerirdischen ist sie absolut offen. Sie findet es interessant, was für Wesen es noch gibt im Weltall und immer schon hatte sie den Wunsch gehegt, auch in Wirklichkeit einem solchen Wesen gegenüber zu stehen und nicht nur im Fernsehen oder in Büchern Bilder zu sehen. Noch nie ist sie einem Außerirdischen begegnet bis zu ihrer Ankunft auf Babylon 5.


Charaktereigenschaften
Radasha wurde schon als Kind von ihrem Dad oft als ein Genie bezeichnet. Hochintelligent, überdurchschnittlich und über alle anderen herausragend war ihre Auffassungsgabe und das Wissen, wie etwas umzusetzen ist. Allerdings geht mit dem Genie meist auch der Wahnsinn einher und Radasha ist ein wechselhaftes Wesen. Ihre Laune kann in Sekunden von himmelhoch jauchzend auf zu Tode betrübt fallen und wieder wechseln. Man weiß nie, was sie gerade denkt, fühlt oder in welcher Gemütsstimmung sie sich gerade eben befindet. Will man sich mit ihr unterhalten, betritt man eigentlich immer die Höhle des Löwen und geht das Risiko ein, gefressen oder freundlich lächelnd empfangen zu werden. Durch ihre Erziehung hat sie gelernt, ihre Launen unter Kontrolle zu halten, was ihr allerdings nicht immer gelingt.

Radasha ist ein regelrechtes Chamäleon. Ihre Launen wechseln mit dem Wind und sie zu beschreiben, ist eigentlich unmöglich. Sie kann einerseits irrsinnig freundlich und liebenswürdig sein, sodass sie jeder gern hat. Andererseits aber ist sie absolut ekelhaft und gefühllos und man kann sie eigentlich nur hassen und verabscheuen. Sie ist freundlich und zuvorkommend und dann plötzlich wieder unfreundlich, mürrisch und schnippisch. Es ist recht schwierig mit ihr umzugehen und es fällt auch denen, die sich als ihre Freunde bezeichnen, nicht immer leicht, mit ihrem Wesen klarzukommen.

Wenn man sich mit ihr trifft und sie gut gelaunt ist, kann es schon passieren, dass man sich mit einem falschen Satz das Treffen komplett ruiniert. Sie ist recht oft gut gelaunt, aber wenn man irgendetwas erwähnt oder sagt, das ihr nicht so ganz in den Kram passt, kann sie recht böse werden und ungemütlich. Kalt und gefühllos ist sie oft, wenn es um Menschen geht, die sie nicht sonderlich mag. Sie sagt, was sie denkt über etwas oder jemanden, auch wenn dieser daneben steht, da ist sie recht kalt. Unpünktlichkeit ist auch ein Thema, wo man sich sicher sein kann, dass sie nicht gut auf jemanden zu sprechen ist. Wenn man zu spät kommt, sollte man besser sehr krank sein und sich durch irgendwen entschuldigen und gar nicht erscheinen oder man muss irgendwie das Treffen durchstehen mit einer sehr bissigen Radasha. Sie ist dann sehr schlecht gelaunt und furchtbar zickig.

Für wirklich gute Freunde ist Radasha immer da und eine gute Zuhörerin, die eigentlich nie jemandem im Stich lässt. Außerdem ist sie absolut ehrlich und man würde ihr eine Lüge an der Nasenspitze ansehen, da sie das überhaupt nicht kann, also versucht sie es erst gar nicht. Außerdem ist sie der Meinung, dass Leute die Wahrheit hören sollten und diese sie verdienen, ob positiv oder negativ.
Sie kann nur sehr selten still sitzen, dafür ist sie viel zu quirlig und gewohnt irgendetwas zu tun. Wenn sie einmal sitzt, dann sind ihre Hände oft damit beschäftigt, mit ihren Haaren zu spielen. Wirklich ruhig ist sie selten.

Radasha ist oft viel zu direkt, was sie sich mit ihrer Ehrlichkeit angewöhnt hatte, da sie jedem ins Gesicht sagt, was sie von ihm hält. Sie spricht ihre Gedanken aus und denkt erst danach darüber nach, ob das hätte sein müssen oder nicht. Aber sie bereut nur sehr selten, was sie sagt, auch wenn sie jemanden damit verletzt. Ihrer Meinung nach hatten dumme Leute auch verdient, zu erfahren, dass sie dumm waren. Sie findet es idiotisch, jemandem nicht zu sagen, was man von einem denkt und nimmt selbst die Kritik auch recht gut auf, wenn sie einmal jemandem begegnet, der so offen ist wie sie.

Richtig aufbrausend und jähzornig kann Radasha ab und zu werden, da sie ein sehr ungeduldiger Mensch ist. Wenn etwas nicht so geschieht, wie sie es erwartet hatte oder es zu lange dauert, wird sie schlecht gelaunt, was zur Folge hat, dass sie aus der Haut fährt. In ihrer Nähe zu stehen, ist dann meist nicht sehr klug, da sie auch um sich schlagen kann, wenn sie wirklich wütend wird. Meist beruhigt sie sich sehr schnell wieder, aber dem ist nicht zu trauen. Vor einem Sturm ist es auch oft ruhig und dann geht’s erst richtig los, so ist es auch bei Radasha.

Radasha ist schrecklich stur, wenn es darum geht, ihre Meinung und Ansicht durchzusetzen. Sie akzeptiert nicht gern, wenn jemand anderer Recht hat und sie im Unrecht ist. Ihre Neugierde ist wohl ein ebenso schlimmes Manko wie ihre Sturheit und kann manchen ganz schön auf die Nerven gehen. Aber sie weiß sich am Riemen zu reißen und manchmal die Fragen zurückzuhalten, die ihr auf der Zunge brennen. Nur ihrem Vater gegenüber hat sie sich absolut im Griff. Nur ein Blick von ihm lässt sie verstummen und sie hat gelernt, dass es einfach keinen Sinn hatte, sich mit ihm anzulegen.


Vorlieben und Abneigungen
Radashas absolute Leidenschaft gilt den Pflanzen. Jede einzelne, sei sie für andere noch so hässlich und nutzlos, ist für sie ein Geschenk der Natur. Sie kann auch den Dornenranken und Fliegenpilzen etwas abgewinnen und sei es nur ihre Nützlichkeit. In allen Gewächsen findet sie etwas, das ihr etwas bedeutet. Ihre absoluten Lieblinge unter den Blumen sind Gänseblümchen und deren große Verwandte, die Margeriten. Wenn ihr ein Mann eine Freude machen will, schenkt er ihr keine Rosen, die sie zwar mag, für sie aber nichts Besonderes sind, da sie immer von jedem als Geschenk auserkoren werden. Die kleinen unscheinbaren Pflanzen haben es ihr wesentlich mehr angetan.

Auch Tiere mag sie recht gerne und hat auch hier ihre Favoriten. Katzenartige Wesen und Hunde sind bei ihr immer gerne gesehen und sie scheint für diese auch diese Ruhe auszustrahlen, denn es hat sie noch nie ein Hund gebissen oder eine Katze gekratzt. Inzwischen hat sie ein eigenes Kätzchen. Ihren kleinen Kater Trouble hat sie in Russland bekommen. Sie begegnete bei einem Spaziergang einer Frau, die die Jungen ihrer Katze ertränkte und protestierend nahm sie ihr das letzte noch lebende Tierchen ab, um es zu beschützen. Da der Kleine immer ärger macht, hat sie ihn „Trouble“ genannt. Allerdings hat sie gehörigen Respekt vor Schlangen und Insekten wie Bienen, Hornissen oder Wespen, genauso wie Spinnentiere lösen diese bei ihr eine Panik aus. Auch Ratten und Mäuse sind ihr zutiefst zuwider und es kann schon mal vorkommen, dass sie bei deren Anwesenheit auf einen Stuhl springt.

Auch liebt sie Filme und Bücher. Diese Leidenschaft teilt sie mit ihrer Mutter und oft schauten sie sich einen Film zum dritten Mal gemeinsam an, um an genau den gleichen Stellen wie immer eine Schachtel Tempos zu verbrauchen. Die ganzen Klassiker wie "Casablanca", "Vom Winde verweht" und "Spartacus" sowie viele andere kennt sie inzwischen recht gut und hat die dazugehörigen Bücher, falls vorhanden, ebenfalls verschlungen. Umso dicker ein Buch, umso lieber liest sie es. Ganze Buchreihen findet man, wenn man in ihren Schrank schaut.

Radasha ist ein sehr ordentlicher Mensch und auch äußerst zuverlässig. Unpünktlichkeit, Unordnung und mangelnde Hygiene sind ihr ein Graus und sie kann schon ziemlich schnippig werden, wenn man ihr mit einem dieser übel begegnet. Man könnte schon fast sagen, sie ist ein Ordnungsfanatiker. Alles hat seinen Platz und bei jedem Ding weiß sie genau, wo es ist. Wenn irgendwer ihre Ordnung durcheinander bringt, rastet sie mal kurz aus und versucht ihre geliebte Ordnung wieder herzustellen. In solchen Momenten sollte sich jeder außerhalb ihrer Reichweite befinden, da sie schon einmal um sich schlagen kann, wenn sie wirklich wütend wird.


Stärken und Schwächen
Eine ihrer Stärken ist mit Sicherheit ihr Talent mit Pflanzen umzugehen. Unter ihrer Hand blüht jede Pflanze auf und wenn sie noch so verdurstet ist und welk. Es scheint fast so, als gäbe sie ihnen Hoffnung und einen Grund, neu zu erblühen. überall hatte sie früher zu Hause ihre schönen Begleiter aufgestellt, die sie auch in ihrem Leben bestärken und ihr immer wieder ein Lächeln auf die Lippen zaubern.
Gegenüber Zerstörung von pflanzlichem Leben ist sie schockiert, wütend und verletzt. Menschen, die Pflanzen töten, versucht sie zu Vernunft zu bringen oder irgendwie die Pflanzen zu retten.

Tanzen zählt zu einer ihrer Leidenschaften, was sie auch recht gut beherrscht. Das sind wohl die Augenblicke, wo sie richtig gelöst und frei ist, sich so gibt, wie sie ist, ohne sich hinter irgendetwas zu verstecken oder zu versuchen nett zu sein. Hier lebt sie einfach, drückt ihre Gefühle, ihre Emotionen durch den Tanz aus. Sie kann sich eigentlich zu so gut wie jeder Musik bewegen, wenn sie auch nicht alle Musik schätzt oder mag. Mit geschlossenen Augen einfach der Melodie entlang treiben ist etwas, was sie mag und immer wieder in irgendwelchen Clubs genießt.

Radasha hat ein ausgezeichnetes Gedächtnis, wenn es um Namen, Gesichter und Geschichten geht. Sie merkt sich eine Person sofort und weiß auch, wann und wo sie sie schon einmal gesehen hat. Ebenso kann sie in Filmen jeden Schauspieler anderen Filmen zuordnen, erkennt auch die Stimmen immer wieder und weiß alleine dadurch, wer es ist oder wessen Synchronstimme es ist. Allerdings hapert es bei ihr ziemlich mit Zahlen. Ein mathematisches Genie wäre sie nie geworden und irgendwelche Nummernfolgen sind ihr ein Graus. Es war ihr verhasst, in der Schule Mathematik zu lernen und auch das Verständnis für Physik, was auch auf Mathematik aufbaut, fehlt ihr vollkommen.


Vorgeschichte
Mit 23 bekam die hübsche Natascha ihr erstes und auch einziges Kind Radasha. Die Geburt war anstrengend gewesen und hatte Stunden gedauert. Es war fast so, als wollte das kleine Wesen nicht aus dem Leib der Mutter in die kalte und grausame Welt geboren werden, als wollte sie sich vor all dem schützen. Doch nach 23 Stunden voller Schmerz und schlussendlich kompletter Erschöpfung kam Radasha nun doch mit einem leisen Schreien auf die Welt. Das Glück der Eltern war komplett. Sie hatten sich schon immer ein Kind gewünscht und ihnen war ein Mädchen lieber als ein Junge. So hatte sich alles erfüllt, was sie begehrt hatten.

Radasha wuchs recht behütet auf. Sie hatte selten Wünsche, die nicht erfüllt wurden, außer es überstieg das Kapital der Eltern. Allerdings lernte das Mädchen sehr schnell, genügsam zu sein. Die Liebe und Aufmerksamkeit der Eltern war ihr wichtiger als materielle Güter. Da die Mutter im PSI Corps war, sah sie diese nicht immer und auch der Vater war oft durch seinen Beruf unterwegs. So wurde sie teils von einer Freundin der Mutter, Milennka, aufgezogen, die ein wenig jünger war als diese. Milennka war nicht beim PSI Corps und hielt auch nicht sonderlich viel davon, auch wenn sie ihre Meinung immer versteckte und nie wirklich preisgab.

Damals, als Natascha zum PSI Corps kam, was sie erst enthusiastisch gewesen und begeistert, in dieser Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Sie arbeitete viel und so stieg sie in ihrer Position immer weiter auf. Doch was sie dann mit der Zeit immer mehr mitbekam, gefiel ihr gar nicht. Entsetzt über das, was das PSI Corps alles tat, um selbst an die Macht zu gelangen und wie es die einzelnen Telepathen manipulierte, um sie von den gewöhnlichen Menschen fern zu halten und ihnen einzureden, sie seien etwas Besseres, beschloss sie, ihre Kinder vom PSI Corps fern zu halten. Immer tiefer stieß sie in die Geheimnisse des PSI Corps und immer mehr bekam sie Angst vor dieser Organisation, wagte aber nicht, etwas dagegen zu machen oder ihre Meinung kund zu tun, die sie tief in sich versteckte. Sie selbst hatte Stufe 10 und konnte sich recht gut gegen Scans wehren und lernte immer mehr, wie sie ihre Gedanken versteckte. Inständig hoffte sie, dass ihrer Tochter dieses Schicksal erspart blieb, dass sie nie Fähigkeiten aufweisen würde und lange schien ihr Wunsch erfüllt zu bleiben.

Mit 6 Jahren kam Radasha ganz normal in die Schule und schon bald wurde klar, dass sie recht intelligent war und außergewöhnlich schnell lernte. Im Unterricht langweilte sie sich schon nach kurzer Zeit und fing ab und zu an, Unsinn zu treiben, die Schüler vom Unterricht abzuhalten und den Lehrern auf den Geist zu gehen.


Ein wenig verschlafen schlug das kleine Mädchen mit seiner Hand nach einer Fliege, die sich gerade summend auf ihrem Arm niedergelassen hatte. Diese flog kurz in die Höhe, setzte sich aber ein paar Zentimeter weiter wieder hin, als sie bemerkte, dass das Mädchen keine all zu große Gefahr darstellte. Wieder schlug die Hand vergeblich nach dem Tier, das sich nun die Klassenbank als Spazierweg aussuchte.

Träge hob Radasha ihren Kopf, beobachtete das lästige Wesen und blickte dann aus dem Fenster, neben dem sie ihren Platz hatte. Die Sonne schien und sie wünschte sich, sie könne hier weg, baden gehen, so wie den ganzen Sommer lang. Sie hasste die Schule. Es war langweilig und die Lehrerin wiederholte alles immer hunderte Male. Warum nur? Glaubte sie etwa, sie seien alle dumm? Dass sie die Einzige sei, die alles weiß und sie die kleinen Schüler behandeln musste, als wären sie begriffsstutzig?

Unwillig blickte sie nach vorne, wo die junge Lehrerin stand und schon zum vierten Mal erklärte, wie man ein Wort in die verschiedenen Fälle umwandelte. Sie zog eine Schnute und konnte sich einfach nicht mehr beherrschen. “Das wissen wir doch schon! Das ist doch ganz einfach! Können sie uns nicht etwas Neues zeigen?“, rief sie heraus. Ihre Banknachbarin und auch alle anderen Kinder, sowie die Lehrerin schauten sie verblüfft an.

“Du gibst doch nur an, Kleine. Komm heraus und mach uns vor, wie du die drei Wörter deklinierst, damit wir auch alle sehen, dass du es wirklich begriffen hast.“ Fräulein Feuerstein war ein wenig gereizt. Sie hatte schon bemerkt, dass Radasha nicht aufgepasst, sondern geschlafen hatte und ihre wichtigtuerische Art konnte sie nicht leiden. Sie selbst hatte länger gebraucht als Kind, um zu verstehen, wie die einzelnen Fälle und Deklinationen funktionierten und wollte nicht ganz einsehen, dass dieses Mädchen das so viel schneller schaffte als alle anderen.

Mit stolz erhobenem Kopf stand die Kleine auf und marschierte an ihrer Banknachbarin Jane, die sie nicht allzu sehr mochte, vorbei, direkt auf die Tafel zu. Im Vorbeigehen nahm sie sich die Kreide von der Lehrerin, die sie ihr auffordernd hinhielt und schrieb dann mit kindlicher Schrift nacheinander alle Deklinationen der drei Hauptwörter, die auf der Tafel standen, hin. Mit trotzig aufforderndem Blick schaute sie der sprachlosen Frau in die Augen und stolzierte dann wieder auf ihren Sitzplatz.

Nach dem Unterricht rief Frau Feuerstein Radasha zu sich. “Gib das bitte deinen Eltern. Und bring es mir morgen unterschrieben wieder zurück.“, sagte sie und hielt dem Mädchen einen verschlossenen Umschlag hin. Diese nickte und machte sich auf den Heimweg. Sie wollte nur zu gern wissen, was in diesem Briefchen stand, aber wenn sie das Kuvert aufmachte, würden es ihre Eltern bemerken, also beeilte sie sich und hoffte, dass sie es trotzdem erfahren würde.

Zuhause angekommen stürmte sie durch die Türe in die Küche. “Mama! Mama! Ich hab da einen Brief für dich von der Frau Lehrerin. Machst du ihn auf? Ich will auch wissen, was sie geschrieben hat.“, quengelte sie gleich. Ihre Mutter drehte sich erstaunt vom Herd um, an dem sie gerade ein Mittagessen zubereitete, als ihre Tochter in die Wohnung stürmte. “Was hast du angestellt, Kind? Warum schickt sie einen Brief mit?“ Besorgnis schwang in ihrer Stimme. Briefe aus der Schule hatten selten etwas Gutes zu bedeuten und immer wieder hatte sie die Angst, dass Radasha doch eine Telepathin war und sich auf einmal das Talent gezeigt hatte. Sie nahm dem Kind das Kuvert ab und legte es auf den Tisch. “Damit warten wir, bis dein Vater heim kommt. Davor schauen wir den Brief beide nicht an, OK?“

Ungeduldig murrte das Kind und verzog sich ins Zimmer, wo sie sich mit ihren Hausaufgaben beschäftigte. Sie war eine ausgezeichnete Schülerin und die schulischen Dinge fielen ihr alle leicht. Endlich, am Abend kam ihr Vater heim und sie wich ihm nicht von der Seite, um auch ja nicht zu versäumen, wenn der Brief geöffnet wurde. Der lang ersehnte Augenblick rückte näher, als dieser den Umschlag in die Hand nahm und einen bedeutenden Blick mit seiner Frau wechselte. “Du gehst jetzt schlafen, Radasha. Was da drinnen steht, können wir dir morgen auch noch sagen. Es ist schon spät und du hast morgen Schule.“ Entsetzt schaute das Kind ihren Vater an. “Ich will aber wissen, was da drinnen steht, ich will es jetzt wissen. Es ist über mich, also darf ich auch wissen, was es ist.“, rief sie mit erhöhter Lautstärke und wütendem Blick. Sie hasste es, so behandelt zu werden. Sie war noch ein Kind, aber sie war nicht dumm. Der Blick ihres Vaters ließ sie allerdings verstummen. Murrend und schlecht gelaunt trampelte sie die Treppe so laut sie konnte ins obere Stockwerk, wo sie mit ziemlichem Lärm, damit ihre Eltern auch ja wussten, was sie genau tat, sich fürs Bett fertig machte.

Endlich war es ruhig geworden und der besorgte Vater nahm das Kuvert, um es langsam und vorsichtig zu öffnen, als handelte es sich um einen explosiven Inhalt. Was er danach allerdings zu lesen bekam, ließ einen erstaunten Ausdruck auf seinem Gesicht erscheinen. Schnell nahm seine Frau ihm den Brief aus der Hand und auch sie war verblüfft. Ganz anders als erwartet, war hier kein Tadel zu finden, kein Schreiben von der Direktion, dass sich ihr Kind ungebührlich verhalten hätte oder irgendetwas davon, dass sie eine latente Telepathin sei. Geradezu das Gegenteil war der Fall. Die Schule bat die Eltern, das Kind von einem Psychologen untersuchen zu lassen, da ihr IQ anscheinend überdurchschnittlich sei und die Schule gerne Gewissheit hätte. Anbei stand auch, dass sich Radasha im Unterricht sehr langweilte, weil sie einfach zu gut für ihre Klasse war und man schlug eine Versetzung vor.


Eine Woche später war das Ergebnis des Tests vorhanden und die Mutmaßung der Direktion hatte ins Schwarze getroffen. Radashas IQ war wesentlich höher als der Durchschnitt und man beabsichtigte sie, mit dem Halbjahr zu versetzen, damit sie wieder gefordert wurde. In ein paar Einzelstunden nebenher versuchte der Direktor persönlich, Radasha mit dem Stoff der Klasse über ihr vertraut zu machen, damit sie sofort den Anschluss fand und mit dem Halbjahr wurde sie in die Stufe höher versetzt.


Das Mädchen wurde älter, aber ihre Leistungen in der Schule blieben immer ausgezeichnet. Ab und zu fadisierte sie sich im Unterricht, aber manchmal wurde selbst sie gefordert. Die Fächer Mathematik und Physik waren ihr schon immer ein Graus gewesen und auch wenn sie meistens verstand, was unterrichtet wurde, es gab Tage, an denen sie am liebsten die Hefte in eine Ecke geschmissen hätte. Doch sie war ein Dickschädel und wenn ihr diese Fächer den Kampf ansagten, dann zog sie in den Krieg, um zu gewinnen. Im letzten Schuljahr gab es dann die Abschlussprüfung, die von allen gefürchtet wurde. Den Mathematiklehrer hatte sie noch nie ausstehen können und er war auch immer recht streng, aber als sie die Arbeit vor sich liegen sah, wusste sie, er wollte sich an ihr rächen, weil sie ihn immer wieder provoziert hatte. Er wusste genau, was ihre Schwächen in Mathematik waren und die Aufgaben waren in ihrer Gruppe so zusammengestellt, dass sie schon fast ein ‚ätsch’ auf dem Zettel lesen konnte.


Es war mucksmäuschenstill im Klassenraum. Ab und zu hörte man ein Fliegensummen oder einen Füller übers Papier kratzen. Die Sonne schickte ihre wärmsten Strahlen durch das Fenster und die Schüler, die nicht im Schatten saßen, schwitzten noch mehr als die anderen. Mit langsamen Schritten ging Professor Engler den Gang entlang, blickte immer wieder auf eines der Blätter, die vor den Schülern lagen und achtete mit wachsamen Augen, dass niemand auch nur daran dachte zu schummeln. Es war die letzte Arbeit, der Abschluss, und es schien fast so, als hätte Mr. Engler sich die gemeinsten und fiesesten Aufgaben ausgedacht, um die Schüler bis ans äußerste ihrer Leistung zu treiben.

Verzweifelt blickte Radasha auf das Blatt, das vor ihr lag. Sie hatte gerade einmal zwei Drittel der Aufgaben gelöst und die vermutlich nicht richtig. Und der Minutenzeiger wanderte ihrer Meinung nach immer schneller zum Sechser, bei dem dann die Glocke losschrillen würde. Sie hasste Mathematik, konnte dieses Fach einfach nicht leiden und den Vorgängen nichts abgewinnen. Was interessierte sie schon, wie viel was ergab, wenn man es durch was anderes dividierte? Oder was für eine Zahl der Platzhalter X war. Das war doch vollkommen unwichtig! Was hatte das mit dem Leben zu tun? Seufzend kaute sie an ihrem Bleistift, der eindeutig schon öfters in diesem Fach benutzt wurde. Alte Knabberspuren zierten das Ende des Stiftes und ließen ihn recht hässlich aussehen.

Resigniert schmiss sie ihn hin und lehnte sich zurück. Sie würde das nie schaffen! Sie würde sicher durchfallen und alle würden sie auslachen! Warum konnte sie nicht so gut in Mathe sein wie ihr Freund Alexander? Leicht verzweifelt blickte sie zu diesem, doch der war absolut in seine Aufgaben vertieft und kritzelte eifrig vor sich hin. “Miss Petrovna? Wollen sie schon abgeben?“, war Mr. Engler sofort zur Stelle und fragte sie freundlich, ihr die Sicht zu Alexander versperrend. “Nein, ich schau nur Löcher in die Luft, vielleicht find ich dort die Lösung.“, erwiderte sie bissig und verdeckte ihr Blatt mit der Handfläche, damit der Professor nicht schauen konnte, was sie geschrieben hatte und sich darüber lustig machen, was er recht gerne tat.

“Na dann schauen sie mal, dass sie kein Vakuum schaffen, das tut dem Denken nicht gut.“, antwortete dieser und stolzierte weiter den Gang entlang. Mit bösem Blick äffte sie ihn nach und ihr Banknachbar Igor, der Mathe genauso wenig abgewinnen konnte wie sie, konnte sich ein Grinsen kaum verkneifen. Mit schelmischem Blick schaute sie kurz in seine Richtung, bevor sie sich wieder ihrem Blatt widmete. Und anscheinend hatte das in die Luft starren genützt oder eher das Anstarren des Professors. Sie wusste nicht, was vor sich ging, als sie plötzlich in seine Gedanken einbrach, alles lesen konnte, was darin stand. Im ersten Moment war sie wie gelähmt und sie erstarrte auf ihrem Sitzplatz. Aber was hatte ihre Mutter ihr beigebracht? ‚Wenn es jemals Anzeichen dafür gibt, dass sie tatsächlich eine latente Telepatin sei, sollte sie sich so normal wie möglich verhalten, egal, wie schlimm es war und dann auf dem schnellsten Weg nach Hause kommen.’

Sie versuchte sich zu konzentrieren, aber irgendwie schienen tausende von Stimmen auf sie einzureden, jede brachte ein anderes mathematisches Ergebnis und sie wusste nicht, was sie tun sollte. Sie versuchte noch einmal einen Blick auf Alexander zu werfen, dessen Gedanken zu erhaschen und sie schaffte es tatsächlich. Sofort begriff sie, was auf dem Blatt stand und eifrig begann sie, dieses vollzukritzeln. Endlich klingelte es zur Pause und erleichtert ließ sie sich zurückfallen und strich sich eine Strähne aus ihrem heißen Gesicht, bevor sie mit einem Grinsen nach vorne ging, um die Arbeit abzugeben. Es würde zwar nicht die beste Note sein, aber durchfallen würde sie nicht und damit war sie vollkommen zufrieden.

Kaum war sie aus der Klasse draußen, als Igor sie auch schon einholte und kurz an der Schulter festhielt. “Na, haben die Löcher in der Luft doch noch ein Geheimnis preisgegeben?“, fragte er sie mit schelmischen Grinsen und sie musste lachen. 'Himmel, würd ich dich gern flachlegen.' Gleichzeitig hörte sie, was er sagte und was er dachte. Im ersten Moment war sie entsetzt, legte aber sofort ein Grinsen auf ihr Gesicht. “Jap, sie waren recht hilfreich, vor allem das Loch, das in der Nähe von Isabelles Tisch war... Der großen Schrift konnte ich einfach nicht widerstehen.“, meinte sie frech. “Also darauf würd ich mich beim nächsten Mal nicht verlassen, dass die Klassenstreberin direkt vor dir platziert wird. Wie lob ich mir doch meine kleinen Helferlein.“, konterte er grinsend und zog zwei klein beschriebene Zettel aus seinem ärmel. Igor war schon immer ein Genie, wenn’s ums Schummeln ging. Danach ging Radasha grinsend davon, machte sich so schnell sie konnte auf den Heimweg, versuchte die ganzen Stimmen und alles, was um sie geschah zu ignorieren. OK, die Note war nicht ganz ehrlich verdient, aber dafür würde sie Mr. Engler dieses Mal nicht wieder vor der ganzen Klasse blamieren.


Inmitten der letzten Arbeit hatte sich ihr Talent plötzlich offenbart. Zu Hause bekam Natascha einen ziemlichen Schock, als ihre schlimmsten Befürchtungen tatsächlich wahr wurden. Schon als Radasha ein kleines Kind war, hatte sie ihr viel erzählt, ihr versucht beizubringen, wie sie es erreichte, dass sie die Stimmen nicht hörte, wenn sie es nicht wollte. Damals hatte das kleine Kind nur sehr wenig verstanden, aber nun wusste sie, was die Mutter meinte und schnell lernte sie, die Gedanken und Gefühle anderer vor sich abzuschirmen. Inzwischen war sie siebzehn, schon voll entwickelt und am Ende ihrer Pubertät. Einzig ihr Vater und Milennka, die treue Freundin ihrer Mutter und inzwischen auch die ihre erfuhren von ihrer Fähigkeit und alle drei versuchten sie so gut wie möglich zu schützen. Da die früheren Untersuchungen bei ihr nichts offenbart hatten und auch die letzten Untersuchungen, zu Beginn ihrer Pubertät negative Ergebnisse zeigten, war sie eine Zeit lang vom PSI Corps sicher. Natascha war selbst eine sehr gute Telepathin, wusste, wie sie ihre Tochter zu unterrichten hatte und wie sie es schaffte, dass diese sich nicht versehentlich offenbarte. Dasha wurde im der Zeit ein wenig eigenbrötlerisch. Zu viel Angst hatte sie davor, dass man sie entdecken konnte. Mit der Zeit allerdings gewann sie wieder an Lebensfreude zurück und auch ihre große Klappe kam wieder zum Einsatz. Ihre Mutter hatte durch Tests herausgefunden, dass sie ein P11 war und ihr alles beigebracht, was sie selbst wusste. So lebte sie eineinhalb Jahre unerkannt als Telepatin zu Hause. Allerdings sollte ihr das Glück nicht hold bleiben.

Durch Zufall entdeckte ein Arbeitskollege von Natascha ihre Fähigkeiten. Gregor war PSI Polizist und eigentlich immer gut mit Natascha ausgekommen. Er stellte ihr schon einige Zeit nach und war der Meinung, dass Ivan nicht der richtige Mann für eine so gute Telepathin sei. Nach außen zeigte er seine Meinung nie, war immer sehr zuvorkommend und freundlich zu der ganzen Familie. Er war schon einige Male zu Besuch gewesen, aber seit Radasha von ihrer Gabe wusste, war sie stets bei einer Freundin oder Milennka gewesen, wenn Gregor auftauchte. Doch Gregor hatte Natascha gefragt, wo ihre hübsche Tochter denn immer sei und dass er sie schon lange nicht mehr gesehen hatte und so musste sie dieses Mal da bleiben.

Es wäre vielleicht alles gut gegangen, wenn Radasha nicht versehentlich einen Gedankenfetzen von Gregor aufgefangen hätte. Er hatte ihre Mutter im Blickfeld und sie in Gedanken gerade ausgezogen, um sie zu vernaschen und schockiert blickte das Mädchen den PSI Polizisten an, der sofort seine Gedanken blockierte. Aufmerksam betrachtete er das Mädchen und meinte dann ruhig, dass sie morgen in eine PSI Zentrale kommen solle. Viel früher als er es eigentlich vorgehabt hatte, ging Gregor dann und ließ eine ziemlich betroffene Familie zurück. Radasha weigerte sich der Mutter zu erzählen, was sie gesehen hatte und rannte in ihr Zimmer, in dem sie alles zusammen packte, was sie für wichtig hielt. Auch Trouble, ein kleiner Kater, den sie vor ein paar Tagen vor dem Ertränktwerden gerettet hatte, packte sie ein, aber so, dass er ein bequemes Nest auf ihrer Kleidung hatte.

Ihre Eltern versuchten sie zurückzuhalten, aber sie blickte diese nur kurz an. “Ich bin neunzehn, ich kann gehen, wenn ich möchte. Und ich will nie im Leben zum Corps. Da ich auch nicht ins Gefängnis will oder Drogen bekommen, verschwinde ich. Ich lass von mir hören, aber bitte, bitte verbietet es mir nicht!“ Niederschlagen blickten die Zwei ihre geliebte Tochter an, nickten dann aber. Ivan, der seit dem Krieg gegen die Minbari recht still geworden war, ging zu einem kleinen Safe, den er seit Jahren besaß und holte dort so viel Bargeld heraus, wie die Familie es verschmerzen konnte und drückte es seiner Tochter mit Tränen in den Augen in die Hand. “Das müsste für den Anfang reichen… Meld dich, mein Sonnenschein. Ohne dich wird die Wohnung nur noch halb so schön sein.“, dann umarmte er sie kurz und heftig, bevor er sich abwandte und ins Wohnzimmer ging.

Natascha blieb nun vor ihrer Tochter stehen. “Ich hab dich alles gelehrt, was ich wusste. Ich hoffe, dass deine Flucht gelingt. Gib Bescheid, mein Schatz. Irgendwie…“, dann umarmte sie ihre Tochter ebenfalls und begleitete sie zur Tür. Noch einmal drehte sich das Mädchen um, bevor sie vollkommen verschwand. “Ich hab euch lieb.“, dann ging sie durch die Tür. Kurz eilte sie noch einen Block weiter, wo Milennka wohnte und läutete Sturm, damit die etwas verschlafene Frau aufmachte. Sie war vor dem Fernseher eingenickt, als Radasha ihr jedoch schnell erzählte, was passiert war, wurde sie hellwach. Auch sie suchte nach ein wenig Geld, das sie ihrer geliebten Ziehtochter zusteckte, auch wenn diese es nicht annehmen wollte. “Du brauchst es.“, war das Einzige, was Milennka sagte, bevor sie sie verabschiedete. “Geh nach Babylon 5. Dort bist du für eine Weile bestimmt sicher. Mein Bruder ist dort stationiert. Er ist Pilot. Vielleicht triffst du ihn. Ich werde ihm eine Nachricht zukommen lassen, damit er dir hilft... So gut er kann…“ Danach stand Radasha wieder auf der Straße. Zum ersten Mal alleine und nicht wissend, wann sie ihre geliebte Familie wieder sehen würde.


Geschichte: