Korja
Name
Korja
Alter
Korja ist ca. 20 Jahre alt. So genau weiß sie das nicht. Sie schaut älter aus, als sie ist, erfahrener, was vielleicht daran liegt, da sie schon von Kindesbeinen an, die Mutterrolle für ihre kleine Schwester übernehmen musste.
Rasse / Clan
Korja ist Tiermensch und zwar hat sie die Gene eines Pumas. Geboren wurde sie im Herdenclan, musste aber mit ihrer Schwester Jokja zum Raubtierclan ziehen, da sie und Jokja keine Herdentiere sind.
Aussehen
Ihr Körper ist schlank und geschmeidig wie ein Weidenzweig. Bei jeder Bewegung kann man unter der braungebrannten Haut die Muskeln spielen sehen. Sie wirkt selbstsicher und ganz so, als ob sie wüsste, was sie tut. Besonders groß ist Korja nicht, gerade mal 1m 65cm, gleicht ihre mangelnde Größe allerdings durch ihre Beweglichkeit, Schnelligkeit und Stärke wieder aus. Entlang des Rückens hat sie einen Fellstreifen, der vom Haaransatz bis knapp über ihren Po reicht und an dem sie sehr empfindlich reagiert, wie eine Katze, die man am Rücken krault.
Sie hat sandfarbene Haare, gleich einem Pumafell, die ihr bis zu den Schultern reichen und diese sanft umschmeicheln. Ihre Haarpracht ist kräftig und glänzt in einem satten Goldton im Sonnenschein. Meist trägt sie sie so, dass sie die Strähnen an einer Seite hinters Ohr klemmt, damit sie ihr nicht im Weg sind, ansonsten offen und frei. Diese sind, ebenso wie ein Streifen des Rückens, von einem leichten Fell überzogen.
Ihre Augen sind fast schwarz, und sehen mehr als menschliche Augen. Anders als bei den Katzentieren, sind sie von langen dichten Wimpern, die ebenso schwarz sind wie ihre Pupillen, umgeben. Und um das Bild zu vervollständigen, werden ihre Augen noch von zarten, fast gezeichneten Augenbrauen eingerahmt. Ihre Nase ist schmal und zeigt ebenso leichte katzenartige Ansätze, aber man sieht sie kaum. Die Lippen sind rot und weich und wirken recht voll, da Korjas Mund insgesamt klein ist.
Das zweite deutliche Merkmal, das an eine Katze erinnert, sind, neben dem Fellstreifen am Rücken, ihre Krallen. Korja besitzt zwar Hände wie die eines Menschen, allerdings hat sie Krallen, die von den Katzengenen in ihr herrühren. Sie sind scharf und recht stabil und brechen nicht ab, wenn man sie benutzt, wenn sie zum Beispiel auf Bäume klettert. Auch hat sie die Fähigkeit, diese einzuziehen und jemanden doch sehr sanft zu berühren. Durch ihre Krallen kann sie sich auf den verschiedensten Flächen fortbewegen, ohne abzurutschen wie die Menschen, allerdings bewegt sie sich normalerweise aufrecht wie normale Menschen.
Korjas Körper zieren einige kleine Narben, die sie sich von diversen Stürzen und kleinen Kämpfen zugezogen hat. Allerdings nichts schlimmes oder erwähnenswertes, da sie keine großen und hässlichen Narben besitzt. Als Schmuck ziert ihren Körper eigentlich nichts, nur Lederbänder trägt sie um ihre Handgelenke gewickelt, bemerkt diese aber kaum noch, da sie für sie schon fast zu einem Bestandteil ihrer selbst geworden sind.
Kleidung besitzt Korja, wie alle anderen Tiermenschen, nur eine Garnitur, wenn sie überhaupt Glück hatten, etwas zu bekommen. Sie trägt eine alte schwarze Jeans, die schon an manchen Stellen Risse aufweist und abgewetzt ist. Als Oberteil trägt sie ein dunkelblaues T-Shirt, das wesentlich weniger schlimm zugerichtet ist, da Korja versucht, ihre Kleidung sauber zu halten, was aufgrund des Wassermangels nicht einfach ist. Im Winter trägt sie einen karminroten Wollpulli, den sie, wie ihre olivgrüne, weiche Jacke, im Sommer in ihrer Behausung versteckt.
Charakter
Dadurch, dass sie schon früh die Mutterrolle für ihre kleine Schwester übernehmen musste ist Korja recht erwachsen. Für jeden, der sie braucht, ist sie da und hilft, wo sie kann. Offenheit ist ebenso ein Charakterzug von ihr, wie ihre Ordnungsliebe, was vermutlich daher kommt, dass sie für beide sorgen musste und einer den überblick bewahrt hat über alles, was geschah. Und obwohl sie äußerlich recht stark wirkt, nicht nur in ihrer Körperkraft, sondern auch seelisch, zweifelt sie manchmal an sich selbst und ob sie das wirklich alles schafft und bewältigen kann, was passiert und passieren wird.
Obwohl sie für alle da und hilfsbereit ist, ist sie doch oft recht ungeduldig und ihr kann schon mal der Geduldsfaden reißen. Dann wird sie auch unwirsch und kann recht aufbrausend werden. Allerdings beruhigt sie sich meistens recht schnell und was sie gesagt und getan hat, tut ihr dann leid. Die meiste Zeit ist sie ein sehr fröhliches Wesen, das gute Laune verbreitet, sie kann aber schon ab und zu einfach irgendwo an einem stillen Ort sitzen, einfach, um ihren Gedanken nachzugehen und die Ruhe zu genießen.
Korja ist auch recht ehrgeizig, wenn es darum geht, ihre Ziele zu erreichen und die Dinge, die sie sich vorgenommen hat, zu machen und durchzusetzen. Sie kann es nicht verstehen, wenn jemand seine Wünsche nicht verfolgt und nachlässig seine gesteckten Ziele vergisst und aufgibt. Das würde ihr nie einfallen. Durchhaltevermögen ist ihr ebenso zu Eigen wie Ehrgeiz.
Eine ihrer wirklich positiven Merkmale des Charakters ist wohl, dass sie sehr charmant sein kann. Wenn sie wirklich möchte, ist sie Erotik pur und kann manchen Männern schon mal den Kopf verdrehen. Allerdings legt sie nicht sonderlich viel Wert darauf und setzt ihre charmante Ader nur ein, wenn sie etwas anders nicht erreichen kann.
Eigenarten
Eine recht anstrengende Angewohnheit von Korja ist vermutlich, dass sie überall dabei sein muss. Sie kann es nicht haben, wenn etwas entschieden wird, ohne dass sie davon wusste. Es ist ein regelrechtes Suchtverhalten von ihr, dass sie sich überall einmischt und meist auch recht behalten will, wenn sie tatsächlich in eine Diskussion miteinbezogen wird.
Eine Eigenheit, die sie sich durch die Rolle des Familienoberhauptes zugelegt hat, ist der Ordnungsfanatismus. Unordnung hasst sie wie die Pest und kann schon mal recht ungehalten reagieren, wenn sich Jokja nicht daran hält. Sie ist zwar sehr ausgeprägt, aber meist stört diese Eigenart nicht besonders, außer vielleicht ihre Schwester.
Eine eher seltsame Eigenart von Korja ist wohl, dass sie gerne mit kleinen Insekten spielt. Sie betrachtet sie oft stundenlang und schaut ihnen beim durch die Gegend krabbeln zu. Wenn sie ihr zu langweilig sind stupft sie sie schon mal mit ihren Krallen an, um sie dann wild und planlos umherflitzen zu sehen. Das ist wohl auch etwas, das von ihrer tierischen Seite ausgeprägt wurde.
Stärken
Zu ihren katzenartigen Stärken zählen wohl ihre Beweglich-, sowie ihre Schnelligkeit und die Körperstärke, die sie besitzt. Sie ist recht zäh und hält schon einiges an Anstrengungen aus. Ebenso sind ihre Sprungkraft, ihr Gleichgewichtssinn, sowie die Sinne der Augen und Ohren wesentlich verstärkt und so findet sie sich auch in Höhen und in der Nacht ohne Probleme zurecht.
Stärken, die nichts mit ihrer Mutation zu tun haben, sind vor allem ihre Hilfsbereitschaft und Fürsorglichkeit, die sie hauptsächlich gegenüber Jokja an den Tag legt. Ebenso ist sie sehr ehrlich und sagt, was sie denkt, aber nimmt dennoch immer Rücksicht auf die Gefühle anderer. Wenn jemand die Wahrheit nicht verkraften würde, schweigt sie, aber anlügen würde sie denjenigen nicht. Auch ihr Organisationstalent ist eine Stärke, wenn nicht schon eher eine fanatische Sucht.
Schwächen
Korja ist schrecklich stur, wenn es darum geht, ihre Meinung und Ansicht durchzusetzen. Sie akzeptiert nicht gern, wenn jemand anderer Recht hat und sie im Unrecht ist. Ihre Neugierde ist wohl ein ebenso schlimmes Manko wie ihre Sturheit und kann manchen ganz schön auf die Nerven gehen. Aber sie weiß sich am Riemen zu reißen und manchmal die Fragen zurückzuhalten, die ihr auf der Zunge brennen, vor allem gegenüber dem Obersten des Clans, Zar, ist sie lammfromm.
Weitere Schwächen ihrer Natur sind ihre ungeduldige Art, wenn etwas nicht sofort funktioniert und ihr aufbrausendes Temperament, das sich meist aber recht schnell wieder beruhigt. Ab und zu kann es recht plötzlich kommen, dass sie regelrecht explodiert, ohne - zumindest für andere - ersichtlichen Grund.
Fähigkeiten
Von ihren durch die Mutation bedingten Fähigkeiten hat sie die der Schnelligkeit am meisten ausgeprägt. Kaum jemand in ihrem Alter ist schneller als sie und so ausdauernd. Sie liebt es, einfach so über die Ebene zu rennen und alles, auch ihre Sorgen und Gedanken, hinter sich zu lassen.
Ansonsten singt sie sehr gerne und auch sehr gut. Ihre Stimme ist klar und hell und begeistert alle immer wieder, wenn sie sich einmal dazu durchringen kann, vor anderen zu singen. Ansonsten macht sie das nur, wenn sie alleine ist und in Gedanken.
Vorgeschichte
“Nein, bitte nicht!! Mami!! Ich will nicht weg, ich will bei dir bleiben!!“ Verzweifelt klammerte Korja sich an ihrer Mutter fest. Sie hatte gerade eben erfahren, dass sie und ihre kleine Schwester Jokja, die noch nicht all zu viel mitbekam, den Clan verlassen mussten, weil sie nicht dazu gehörten. Nicht dazu gehörten? Aber jedes Kind gehört doch zu seiner Mutter! Hier nicht… Das kleine Mädchen verstand nicht, was sie so anders machte als die anderen. Schniefend schaute sie an sich herunter. Sie sah nicht anders aus, hatte keine seltsamen Auswüchse, und schaute aus, wie alle anderen Kinder. Warum sollte sie weg?
Sanft schob Harika, die die Anlagen einer Gazelle in sich trug, Korja von sich. “Es muss sein, Liebes. Du gehörst nicht hier her… Und deine kleine Schwester auch nicht. Ihr werdet zu einem anderen Clan gehen müssen, euch dort einleben. Zar wird ein wenig auf euch aufpassen. Ich hab ihn darum gebeten.“ Leicht streichelte sie ihrer Tochter über die sandfarbenen Haare, die sich weich und glatt unter ihrer Hand anfühlten.
Seufzend stand sie auf du nahm Korja bei der Hand. “Du wirst gut auf deine kleine Schwester aufpassen, hörst du? Du bist jetzt nicht nur Schwester, sondern auch ihre Mutter. Ich verlass mich auf dich meine Kleine“, hin- und hergerissen von so viel Verantwortung, wusste das Puma-Mädchen nicht so ganz, ob sie um Hilfe schreien, oder ihre Brust vor Stolz schwellen sollte. Dass ihre Mam ihr so etwas zutraute, erfüllte sie mit Stolz und sie nahm sich vor, sie nie zu enttäuschen.
Immer noch schniefend und verheult trippelte das kleine Mädchen neben ihrer Mutter her zu ihrer kleinen Schwester und dem Bruder Adran, der bei ihr war. Dort rannte sie zu diesem und schlang ihre kleinen ärmchen um ihn und kuschelte ihren Kopf an ihn. “Aber… Aber du gehst doch mit, mit mir … oder?“ Mit großen, dunklen Augen schaute sie zu ihm hinauf, hoffend auf eine Antwort, die ihr gefallen könnte. “Nein, ich bleib hier, ich bin nicht wie du und Jokja, ich gehöre hier her. Ich bin normal“, gab er ihr zur Antwort und versuchte sich aus ihrem Griff zu befreien.
Er war gerade mal acht Jahre alt und immer bestrebt, der Zuneigung seiner kleinen Schwester, die manchmal ganz schön lästig werden konnte, zu entgehen. Als er erfahren hatte, dass sie und das zweijährige Schwesterchen den Clan verlassen mussten, war er voller Abscheu ihnen gegenüber erfüllt. Auch er hatte nicht ganz begriffen, warum sie gehen mussten, aber er merkte, dass sie anders waren und somit hier nicht leben durften und das machte ihn überlegen, zumindest glaubte er das.
Traurig und allein stand sie nun da, verlassen von ihrem Bruder, und abgeschoben von ihren Eltern, nicht wissend, dass diese genauso litten, wie sie selbst. Nun kam der Trotz in ihr hoch, das Bestreben, es ihnen zu zeigen, dass sie auch ganz ohne sie klar kommen würden. Sie reckte ihr Kinn und funkelte ihren Bruder böse an. Mit erhobenem Haupt stapfte sie zu Jokja, die gerade wegkrabbeln wollte und nahm sie an der Hand, drehte sich um und ging mit ihr in die Behausung hinein, um auf Zar, der sie holen wollte zu warten.
Als dieser dann am Nachmittag kam, erhob sie sich von ihrem Platz, an dem sie den gesamten Tag verbracht hatte, ohne sich zu rühren und ging ihm neugierig entgegen. Er war groß, und strahlte Macht und Einfluss aus. Freundlich betrachtete dieser sie, indem er sein Haupt neigte. “Hallo kleines Fräulein, darf ich erfahren, wie du heißt?“ Schüchtern blickte das kleine Kind zu dieser imposanten Gestalt hoch und ihre Stimme klang piepsig, als sie antwortete. “Korja… Und meine Schwester heißt Jokja.“
So kam es, dass die zwei kleinen Mädchen mit Zar mitgingen, um ihr Leben nun im Clan der Raubtiere weiterzuleben. Was die zwei nicht wussten, war, dass sie einfach nur im falschen Clan geboren worden waren, dass sie nicht anders oder seltsam waren, sondern einfach nur Raubtiere du in einem Clan mit Herdentieren nichts zu suchen hatten. Die Gefahr, in der all die anderen gewesen wären, würden ihre Instinkte einmal ausbrechen, wäre groß gewesen und so hatte Zar die Kleinen mit sich genommen, um auf sie in seinem Clan aufzupassen.
“Gib mir meinen Pulli zurück, du blöde Kuh!!“ Wütend rannte Korja einem Mädchen nach, die die Anlagen eines Hundes in sich hatte. Schnell war sie auf ihren schlanken Beinen, die inzwischen schon recht muskulös waren. Drei Jahre nun war sie schon im Clan der Raubtiere, hatte sich aber immer noch nicht richtig eingelebt. Durch die Aufmerksamkeit, die Zar den zwei Geschwistern schenkte, war sie recht eingebildet und wichtigtuerisch geworden. Auch die anderen im Clan merkten, dass die zwei Kinder mehr Aufmerksamkeit bekamen als nötig war und waren den Geschwistern nicht unbedingt zugeneigt.
“Fang mich doch, fang mich doch“, lachte Rika, das andere Mädchen, hämisch und schlug wieder einen Haken, um Korja zu entkommen. Diese legte noch einen Zahn zu, holte alles aus sich heraus und keuchte vor Anstrengung. Dann endlich! Sie hatte das Mädchen, das ein Jahr älter war als sie und daher auch ein wenig größer, erreicht und schmiss sich auf sie.
Wütend schlug sie mit ihren kleinen Fäusten auf das Mädchen ein, die sich genauso heftig wehrte. Ineinander verkrallt und aufeinander einprügelnd kugelten die Mädchen am Platz herum. Man sah nur Staub aufwirbeln und zwei Körper, von denen nur ein Gekeuche, Gefluche und Gefauche zu hören war. Die anderen Kinder standen um die zwei herum, nicht wissend, was sie machen sollten.
Endlich hatte Korja das ersehnte Stück gefasst und riss daran. “Gib ihn her, er gehört mir! Zar hat ihn mir gegeben!“ schrie Korja außer sich vor Zorn. Sie hatte sich schon recht angestrengt und sie wusste nicht, wie lange sie noch durchhalten würde. Langsam schlichen sich Tränen in ihre dunklen Augen, Tränen der Verzweiflung, da sie ihren geliebten Pulli nicht verlieren wollte. Allerdings kämpfte sie dagegen an, versuchte, sie zurückzuhalten. Sie wollte vor Rika keine Schwäche zeigen.
Eines der Kinder war anscheinend auf die Idee gekommen, Zar zu holen. Plötzlich ertönte seine laute Stimme, die die zwei Mädchen zur Ordnung rief. Erschrocken darüber, ließen sie sofort von einander ab und schauten ihn bedrückt an. Er konnte sehr böse werden, wenn man seine Befehle missachtete und Streit war nicht gern gesehen. Der Clan hatte zusammenzuhalten, gemeinsam ums überleben zu kämpfen. “Ihr werdet gemeinsam die nächste Woche Wasserdienst machen und auch in einer Unterkunft miteinander schlafen. Ihr werdet noch lernen, was es heißt, für einander da zu sein und in einer Gemeinschaft zu leben.“ sprach er, drehte sich um und ging wieder. Auch die anderen zerstreuten sich, da jetzt das Schauspiel vorbei und die Missetäter bestraft waren.
Unglücklich und mit zornigen Augen musterten die Mädchen sich. Den Pulli hatte Korja nun wieder, aber eine Woche mit Rika zusammen sein? Ob es das wirklich wert war? Seufzend drehte sie sich um und ging zu der Unterkunft, die für solche Strafen vorgesehen war. Ein kleiner Unterschlupf, bestehend aus Fellen und Leinen, die über einem Gerüst aus Holz gespannt waren. Es war die notdürftigste Unterkunft des ganzen Clans und auch nicht wasserdicht.
Rika und Korja hassten sich anfangs, versuchten immer, sich irgendwie zu belästigen oder im Weg zu sein, ohne dass es die anderen merkten. Aber irgendwie wuchsen sie dennoch zusammen. Dadurch, das sie alles gemeinsam machen mussten, lernten sie auch viel von einander und bemerkten, dass sie im Wesen sich gar nicht unähnlich waren. Am ende der Woche waren sie Freundinnen. Sie trennten sich wieder und kehrten wieder in ihre Behausungen zurück, aber die Freundschaft, die sich gebildet hatte, blieb und sie waren von nun an andauernd zusammen anzutreffen.
“Wasser…“, flüsterte sie. Ihre Kehle war ausgetrocknet und auch ihr Mund fühlte sich an, als gäbe es das Wort Flüssigkeit nicht. Die Lippen waren spröde und leicht eingerissen, sodass es weh tat, wenn man mit der Zunge darüber fuhr. Angestrengt hob sie den Kopf und öffnete die Augen. Die vierzehnjährige Korja hatte geschlafen und geträumt… Von grünen Wiesen und Bächen, die das Land bewässerten. Als sie sich aber umblickte, musste sie feststellen, dass sie immer noch in ihrer zeltähnlichen Behausung lag, der Körper geschwächt und die Luft drückend heiß.
Jokja lag neben ihr und schlief noch. Sie hatten es beide gestern nicht mehr ins Bett geschafft, waren an dem Fleck zusammengebrochen, an dem sie nun lagen, nachdem sie aus der glühenden Sonne geflohen waren. Mühsam rappelte sie sich auf, versuchte langsam ihren Körper zu heben und aufzustehen. Der erste Versuch wollte nicht gelingen. Ihre Beine knickten unter ihr zusammen und leise wimmernd fiel sie wieder auf den Boden, landete unglücklich und schürfte sich den Knöchel auf.
Langsam drehte sie ihr Bein so, dass sie die kleine Wunde sehen konnte und fuhr leicht mit ihren trockenen Fingern darüber. Sie wollte nicht, dass Schmutz in die Wunde kam, aber Wasser zum Reinigen hatte sie nicht. Noch einmal versuchte sie, ihren Körper zu erheben. Dieses Mal schien es zu funktionieren und etwas wackelig stand sie nun da, unsicher, ob sie nun ein Bein vor das andere setzen sollte, um hinaus zu gehen. Sie hatte Angst, dass ihre Beine sie nicht tragen würden.
Dann entschloss sie sich doch dazu und bewegte ihren Körper langsam dem Ausgang zu. Bei der Türe, oder eher dem Loch, das man als Türe bezeichnen konnte, blieb sie stehen, hielt sich mit einer Hand am Leinen fest und blinzelte in die Sonne. Mit der Zeit gewöhnten sich ihre Augen an das Licht und sie schaute sich um. Ein paar Mitglieder des Clans waren draußen zu sehen, aber die meisten waren vermutlich noch am Schlafen oder gönnten sich noch ein paar Minuten im Schatten ihrer Wohnungen.
Leise seufzend begab sie sich nach draußen, um ihre klägliche Portion Wasser und Nahrung bei Zar abzuholen, der aufmerksam darüber wachte, damit niemand zu kurz kam. Jeder musste sich seinen Teil selbst abholen und auch bei ihm verzehren, um zu verhindern, dass jemand etwas eines anderen holte und heimlich selbst verputzte. Bei ihm angekommen, lächelte sie ihn zaghaft an und nahm entgegen, was er ihr reichte.
Suchend sah sie sich nach einem hübschen Plätzchen um und entdeckte in der Nähe einen glatten Stein unter einem Baum im Schatten, auf den sie sich niederlassen konnte. Mit einem leichten Plumpser setzte sie sich und begann langsam ihre Ration zu vertilgen. Jeden Bissen kaute sie gründlich und trank nur kleine Schlucke, um das Wasser so lang wie möglich zu genießen. Wann wird es wieder regnen? Was haben wir getan, dass wir so bestraft werden von Oberon? Mit einem flehenden Blick schaute sie Richtung Himmel, als könnte er sie von dort sehen und ihr ihren Wunsch in Erfüllung gehen lassen.
Als sie fertig war, schaute sie bedauernd auf ihre Hände, wissend, dass es erst am nächsten Tag wieder etwas gäbe. Deprimiert ließ sie ihre Blicke schweifen und beobachtete die anderen. Jeder saß alleine, wachsam schauend, dass ihm niemand zu Nahe kam, der ihm das Wenige, das er hatte, streitig machen konnte. Auch die Kinder, die normalerweise immer auf einem Haufen rumkugelten verhielten sich anders als sonst. Alle waren misstrauisch und sahen in jedem einen Nahrungskonkurrenten, einen Feind, der ihm gefährlich werden konnte.
Sie senkte ihren Blick und rutschte vom Stein herunter. Sie verstand das Verhalten. Trotzdem war es nicht schön zu sehen, die Angst und das Misstrauen in den Augen ihrer Freunde und Mitleidenden. Immer noch müde und nicht wissend, was sie sonst tun sollte, rollte sie sich im Schatten des Baumes zusammen und versuchte wieder zu schlafen, um das Land der Träume zu bereisen, in dem sie gerade eben noch gewesen war. Dort das Plätschern von Wasser zu hören und die saftigen Wiesen zu sehen.
Stunden später wachte sie irritiert auf. Was war das? Sie griff an ihre Wange… Ein Tropfen, der nun ihre Finger benetzte, hatte sie geweckt. Sofort war sie hellwach und richtete sich auf. Es war kühler geworden und es hatten sich Wolken über ihr zusammengebraut, die nun langsam das lang ersehnte Nass spendeten. Leicht tröpfelte es am Anfang, aber es wurde immer mehr und bald hatten sie einen wunderschönen Regen, der das ganze Tal tränkte, das, ausgetrocknet, wie es war, alles sofort in sich aufsog.
“Jokja! Jokja! Es regnet, komm raus, es regnet!!“ Nicht wissend, wie lange sie geschlafen hatte, dachte sie, dass ihre keine Schwester immer noch in der Hütte war. Ein leises Lachen kam von der unerwarteten Seite links von ihr und ihre Schwester hüpfte auf sie zu.“Es gibt wieder Wasser! Es gibt endlich wieder was zu trinken“, sie strahlte Korja regelrecht an und nahm sie bei den Händen, um gemeinsam mit ihr im Regen zu tanzen.
“Komm schon, beeil dich, ich will nicht den ganzen Tag warten. Sonst holen wir ihn nicht mehr ein.“ Ungeduldig zappelte Korja vor der Tür von Rikas Behausung und wartete darauf, dass sie endlich heraus kam. Sie hatte gesehen, dass Anjun, ein Junge in ihrem Alter, der die Anlagen eines Tigers in sich trug, alleine Richtung tote Stadt gelaufen war. Da es seltsam war, dort hin alleine zu gehen, war sie zu Rika, mit der sie, seit dem sie Freundinnen waren, jedes Geheimnis teilte, geeilt, um mit ihr Anjun zu folgen. Weniger, weil es gefährlich war, sondern eher deswegen, weil sie sich in ihn verschaut hatte.
Er war ein recht gut aussehender junger Mann, zwei Jahre älter als sie und fast alle Mädchen im Clan schwärmten für ihn, so auch Korja. Nur schien er sich dafür überhaupt nicht zu interessieren. Er war oft irgendwo alleine, um nachzudenken, einfach auf einem Stein zu sitzen und Löcher in die Luft zu starren. Die ganzen Mädchen, die um seine Aufmerksamkeit kämpften, schienen ihn nicht zu berühren. Das einzige weibliche Wesen, das er zu beachten schien, war seine Mutter Janne, eine halbe Hyäne, die von ihrem Mann verlassen worden war.
“Bist du jetzt endlich fertig?“ leicht genervt schaute sie nach Innen, wo Rika sich gerade eben angezogen hatte. “Jaja, ich komm ja schon. Nur keine Hektik, wenn du gesagt hast, er ist zur toten Stadt unterwegs, dann gibst nur einen Weg dort hin und wir werden ihn schon finden.“ Die siebzehnjährige Rika war wohl eine der wenigen, die nicht auf das Aussehen von Anjun ansprachen. Sie hatte sich in einen grauen Wolf, Acco, angelacht und der erwiderte ihre Liebe und es schien so, als ob sie sich bald zusammen tun würden.
Endlich war Rika fertig und folgte der nun davon eilenden Korja, um Anjun einzuholen. Schnell liefen sie über den sandigen Boden, die Körnchen unter ihren Füßen spürend. Sie bewegten sich beide recht geschmeidig und hatten einiges an Ausdauer. So war es nicht verwunderlich, dass sie recht bald an der großen Spalte angelangt waren. Nun wurden sie langsamer und bewegten sich vorsichtig über die alte Brücke, die über dem Spalt hing. Drüben angekommen begannen sie wieder zu laufen, allerdings wesentlich wachsamer und leiser, damit sie die Fresser nicht alamierten.
Dann endlich sahen sie den jungen Mann vor sich. Schnell berührte Korja Rika am Arm, damit sie leise und langsamer wurde, aber auch sie hatte schon reagiert. Beide wurden sie vorsichtiger, als sie eh schon waren, und versteckten sich hinter dem nächsten Häuserblock, um Anjun zu beobachten. Dieser ging langsam vorwärts, immer wieder zur Seite schauend, als würde er etwas suchen. Auch wusste er anscheinend nicht genau, wo er hin wollte. Jedes Haus schaute er an, blickte durch die Fenster und Türen.
Verwundert schaute Korja Rika an „Was macht der da? Sucht der wen?“ formten ihre Lippen. Diese zuckte mit den schultern und gebannt blickten beide wieder nach vorne. Als Anjun hinter einer Ecke verschwand, stupfte Korja ihre Freundin an und beide schlichen geduckt zum nächsten Block, um ihn wieder beobachten zu können. Plötzlich hörten sie vor sich ein Geräusch, ein Klackern… Es kam ihnen so bekannt vor und sie erbleichten. Die Fresser! Jede Vorsicht war vergessen. “Anjun, Fresser!!!“ brüllte Korja und rannte Rika nach, die sich schon auf den Weg zur nächsten Rettungsplattform gemacht hatte.
Ihre Freundin war zuerst dort und machte mit dem bereit liegenden Zunder schon das Feuer in den eisernen Eimern an und Korja kletterte flink die Leiter hoch, um sich in Sicherheit zu bringen und schaute sich nach Anjun um. Dieser hatte den Ruf gehört, wenn er vermutlich auch nicht mit jemandem hier gerechnet hatte und rannte in ihre Richtung. Die Fresser dicht hinter ihm. “Beeil dich! Mach schneller!“ schrie Korja panisch. Am liebsten würde sie hinunter rennen und ihm irgendwie helfen, aber das war dumm, sie konnte nichts tun, was ihm nützen würde.
Plötzlich stolperte der junge Man, als er sich panisch nach den Fressern umsah und eine Unebenheit im Boden nicht bemerkte. Sofort waren die Fresser über ihm, und es war nichts mehr von ihm zu sehen. Nur noch ein schwarz glänzender, wimmelnder Haufen war zu sehen. “NEEEEEEIN!!!“ schrie Korja auf. “Nein… Nein, das darf nicht passieren… Warum nur?“ schluchzte sie verzweifelt in ihre Hände, die sie sich vors Gesicht geschlagen hatte, um den Tod von Anjun nicht mit ansehen zu müssen.
Weinend legte sie ihren Kopf auf Rikas Schulter, während unter ihnen die Fresser weiter zogen. Ihre Freundin legte einen Arm um sie. “Komm, sie sind weg und hier wird es heiß, außerdem ist das Feuer grad ausgegangen. Wir müssen wieder nach hause und es Zar erzählen.“ mit leeren Augen starrte sie auf den Fleck, wo vorhin Anjun gestolpert war und nun nichts mehr von seiner Existenz zeugte. Alles war vernichtet worden von den kleinen ekelhaften Tieren. Wie sie sie hassten!
Ein wenig wackelig standen die zwei auf und kletterten die nun schon recht heiße Leiter hinunter und füllten alles wieder auf, damit der Nächste sich hier wieder retten konnte. Dann gingen sie bedrückt und leise wieder den Weg zurück, den sie gekommen waren. Jede hing ihren Gedanken nach und legte den Weg still zurück. Im Clan angekommen, gingen sie sofort zu Zar, um zu berichten, was geschehen war. Niedergeschlagen schauten sie auf den Boden, als sie ihm die traurige Nachricht überbrachten. Er schickte sie dann weiter, um zu Janne zu gehen und es ihr zu berichten.
Seither sind vier Jahre vergangen. Korja hatte Anjun zwar nicht vergessen, aber den Gedanken an ihn so gut wie verdrängt. Es war ein schlimmes Erlebnis gewesen und die Erinnerung daran tat weh, aber das Leben ging weiter und sie wurde älter. Es hatte sich nicht viel getan. Sie war immer noch andauernd mit Rika zusammen und kümmerte sich aufopferungsvoll um Jokja, die sie irrsinnig gern hatte. Das Erlebnis in der toten Stadt hatte sie geschockt, aber keine tiefen Wunden hinterlassen, sondern sie nachdenklicher und ein wenig erwachsener gemacht.
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