Chayenne Kureyri

Name
Chayenne Kureyri
Chayenne deswegen, weil ihre Mutter aus Frankreich kommt und mit diesem Namen Erinnerungen verbindet, da dieser einer geliebten Freundin, die schon in sehr jungen Jahren gestorben ist, gehört hat.


Alter
22 Jahre


Herkunft
Island / Reykjavík


Rasse / Gesinnung
Mensch / Offen


Aussehen
Der schlanke geschmeidige Körper und ihre raubtierhaften Bewegungen sind kennzeichnend für sie. Ein stolzes Auftreten und die Selbstsicherheit, so wie ihre erotische Ausstrahlung wirken oft anziehend und gleichzeitig respekteinflößend. Trotz ihrer biegsamen und wohlgeformten Gestalt, wirkt sie dennoch kraftvoll und überall kann man die feinen Muskeln erkennen, welche sich auf ihrer weichen Haut abzeichnen.

Ihre Augen, die von einem schönen aber bezwingenden hellbraun und durch einen grauen Ring umrahmt sind, fesseln automatisch die Blicke anderer. Lange, volle Wimpern umgeben diese faszinierenden Augen und sind meist in schwarze Tusche getaucht. Um den Augen noch mehr Ausdruck zu geben umgibt sie meist ein blausilberner Lidschatten.
Ihre vollen Lippen sind weich und wirken, als könne man in ihnen versinken. Oft haben sie einen matten Perlglanz, der von ihrem Lippenstift herrührt.

Auch wunderschön anzusehen an ihr sind ihre goldblonden Locken, die sich um ihr Gesicht kräuseln und einen eigenen Willen zu haben scheinen. Sie reichen bis unters Schulterblatt, sind dick und glänzen kraftstrotzend und gesund. Manchmal, wenn sie ihr lästig fallen oder unpraktisch sind, wird ihre Haarpracht zusammengefasst und fällt als Rossschwanz über ihren schönen, braungebrannten, samtigen Rücken.
Am liebsten kleidet sie sich in figurbetonte Dinge, um ihren Körper zur Geltung zu bringen und ihre Reize zu betonen. Sie hat sehr viel Geschmack, wenn es um die Auswahl ihrer Kleidung geht und bevorzugt Stoffe, die eng anliegen und den Körper wie eine zweite Haut umgeben. Allerdings läuft sie auch gern in Jeans durch die Gegend, da diese angenehm zu tragen sind und äußerst praktisch und haltbar.

Schmuck trägt sie selten, außer einer filigranen silbernen Kette, mit dem chinesischen Symbol der Freundschaft als Anhänger, den sie von ihrem Bruder bekommen hat und dem dazugehörigen Ring, der einfach nur aus einem schlichten Silberreif besteht.
An ihrer linken Fessel hat sie sich zum achtzehnten Geburtstag einen Panther tätowieren lassen, da diese die Geschöpfe sind, die sie am meisten bewunderte, ihre Bewegungen und ihre Kraft.


Charakter
Wenn man sie zum aller ersten Mal sieht wirkt sie auf einen arrogant und unnahbar. Erst ein zweiter Blick und ein näheres Kennen lernen überzeugt vom Gegenteil und zeigen, dass sie eine liebenswürdige und charmante Frau ist, die sich die Selbstgefälligkeit und den Hochmut nur als Schutz zugelegt hat, um nicht verletzt zu werden.
Ein weiterer ihrer Charakterzüge ist ihre Dickköpfigkeit und ihr Eigensinn. Was sie meint, will sie auch durchsetzen. Es benötigt schon viel Geduld und guter Argumente, um sie von einer festsitzenden Idee abzubringen. Aber sie ist sehr hilfsbereit und packt überall mit an, wo jemand gebraucht wird.

Ihre Intelligenz ist überdurchschnittlich, wird allerdings durch ihre Faulheit getrübt. Lernen aus Büchern liegt ihr nicht besonders und brachte ihr schon manche Schwierigkeiten in der Schule. Viel lieber lernt sie sich die Dinge durch Praxis an. Allerdings verschmäht sie Bücher keineswegs, sie war sogar eine richtige Leseratte, es kam nur auf den zu lesenden Inhalt an.
Auffallend ist an ihr auch der Umstand, dass sie allgemein immer gut gelaunt ist und sehr gerne lacht. Sie steckt andere durch ihre Fröhlichkeit regelrecht an, als wäre es eine, sich schnell verbreitende, Krankheit.


Eigenarten
Ihre regelrecht fanatische Liebe zu Katzen und deren großen Verwandten ist wohl eine ihrer auffälligsten Eigenarten, die Chayenne hat. Sie wird nicht nur gern mit ihnen verglichen, sondern sie versucht auch sich deren Bewegungsmuster, sowie ihre Geschmeidigkeit, Eleganz und Lautlosigkeit anzueignen.
Weiters ist ihre Schnelligkeit etwas aufzunehmen und zu verstehen verblüffend. Mit Sprachen hat sie sich nie schwer getan und spricht neben ihrer Muttersprache fließend englisch und französisch, das sie von ihrer Mutter gelernt hat. Auch andere Dinge, wie komplizierte Prozesse in der Chemie oder in sonstigen Fächern wurden von ihr schnell verstanden und erklärte sie bereitwillig allen anderen.
Männer in den Wahnsinn zu treiben, zu flirten und mit ihren Reizen zu spielen ist etwas, das sie einfach nicht lassen kann und manchmal zu einer regelrechten Sucht ausartet. Allerdings weiß sie sich auch zu wehren, wenn ihr ein Annäherungsversuch missfällt.


Schwächen
Ungeduld und ihre Faulheit sind die größten und auffälligsten Mängel, die sie besitzt. Wenn etwas nicht sofort geschieht kann sie recht zappelig werden. Sie lange warten zu lassen ist deswegen nicht empfehlenswert und Unpünktlichkeit hasst sie wie die Pest. Da kann sie dann schon mal unfreundlich zu jemandem werden.
Ihre Faulheit versucht sie allerdings immer wieder zu bekämpfen, was ihr allerdings nicht ganz gelingen mag. Sich hinzulegen und ein Buch zu lesen ist nun mal weniger anstrengend, als für die Schule zu lernen oder sich mit Sachtexten herumzuschlagen, obwohl sie die Hintergründe schnell versteht. Man benötigt schon an überredungskunst, um sie für so trockenen Stoff zu begeistern. Hat man das allerdings einmal geschafft, ist sie doch immer wieder erstaunt und fasziniert davon, wie schnell sie diese Dinge eigentlich versteht.


Fähigkeiten
Schwimmen ist eine große Leidenschaft von ihr und sie hat es sehr weit darin gebracht. Ebenso wie tauchen ist das etwas, das sie im Sommer regelmäßig und andauernd trainiert und macht.
Die zweite Sportliche Betätigung, die sie sehr gut beherrscht ist der Kampfsport. Sie hat schon sehr jung damit angefangen, da sie die Bewegungsabläufe und die Koordination daran, sowie die absolute Körperbeherrschung faszinieren. Dem Kung Fu hat sie sich somit komplett verschrieben und ist davon absolut begeistert.


Waffen
Nur ein Messer benutzt sie als Waffe, versteckt und befestigt am linken Unterarm, weswegen sie auch immer Uhr- und zeitlos ist, da das Messer sonst nicht zu ziehen wäre.
Es ist aus gutem Stahl gemacht und wurde ihr von ihrem Vater geschenkt, als sie sechzehn wurde und oft in der Nacht fort ging um sich zu amüsieren, um sich vor Gefahren zu schützen.


Lebenslauf
Schweißgebadet schreckte ich aus meinen Alpträumen hoch. “NEIN“ war das Einzige, das ich keuchend hervor brachte. “Nein“ wisperte ich noch einmal leise. Leise wimmernd, schlang ich meine schlanken Arme um meine Knie und drückte sie an meinen zitternden Körper. Ich war schweißgebadet, dennoch fühlte sich meine Haut kalt an. Sachte wippte ich in dem Bett, das schon recht alt war und bei jeder Bewegung leise knarrte, vor und zurück.

Dieses vor und zurück, sowie das stetige Plätschern des Baches hinterm Haus, den ich durch das offene Fenster hörte, beruhigte mich langsam und ich kuschelte mich wieder unter die warme Decke. Dennoch blieb ich wach liegen und schaute starr an die hölzerne Decke des Zimmers.


In einer stürmischen verregneten Nacht mitten im August kam ich als zweites Kind der Familie zur Welt. Die Geburt war schwer gewesen für Francoise, meine Mutter, und es grenzte an ein Wunder, dass sie durch das mich nicht ihr Leben verloren hatte, aber ihr Wille und die Liebe zur Familie war stark und sie überlebte.


“Fang mich doch, Timo!“ hörte man die fröhliche Stimme eines dreijährigen Mädchens im Garten rufen, die mit ihrem geliebten Hund spielte, den sie vor kurzem bekommen hatte. Blonde Engelslocken umrahmten das kleine Gesicht, das einer hübschen Porzellanpuppe glich. Und hellbraune Augen schauten groß in die Welt, die so viele Reize beinhaltete, die alle wahrgenommen werden wollten.

So schnell ich auf meinen kleinen Beinchen, die in weiße Lackschühchen gezwängt waren, und in meinem zitronengelben Kleidchen, das mit Spitze besetzt war, laufen konnte, rannte ich zu den Rosenbüschen, mich immer wieder umdrehend, ob mein kleiner Freund mir folgte.

Mit begeistertem Kläffen sprang der schwarze Yorkshire Terrier, der gerade mal ein Jahr alt war, hinterher. Als er mich erreicht hatte, flüchtete ich mit kleinmädchenhaftem Gekreische und Gekichere wieder und lief in die andere Richtung, an das Ende des Gartens, an den eine Straße grenzte. Wieder schaute ich mich nach dem Hund um und merkte dabei nicht, dass ich die mir verbotene Grenze überschritten hatte, als der Terrier um mich herum sprang.

Reifen quietschten und das blanke Entsetzen sowie Angst lagen in meinen Augen, als der Wagen nur wenige Zentimeter vor mir zum stehen kam und das gequälte Jaulen des Hundes, der unter den Reifen verschwand. Mir war nichts passiert, kein Haar wurde mir gekrümmt, aber der Hund, den ich so liebte war tot.

Bitterlich weinte ich den ganzen Tag und war weder von meinem zwei Jahre älteren Bruder noch von meinen Eltern dazu zu bewegen, etwas von meinem Geburtstagskuchen zu essen. Auch die ganzen Geschenke, die auf dem Gartentisch lagen, vermochten nicht mein Interesse zu wecken.

Mit rot geweinten Augen saß ich auf dem steinernen Boden und streichelte über das blutig schwarze Fell Timos, den herzugeben ich mich geweigert hatte. Versucht hatte mein Vater es wohl, was allerdings zu hysterischen Schreikrämpfen und zum festklammern des toten Körpers meinerseits geführt hatte. So haben meine Eltern mir das Tier gelassen, in der Hoffnung, dass ich so schneller über dessen Tod hinwegkam.


Wunderschön war das Haus, in dem Marco und ich bei unseren Eltern aufwuchsen. Ein großes weißes Gebäude, das aus zwei Stockwerken und einem prächtigen Holzbalkon bestand. Rundherum von einem wunderschönen, großen Garten umgeben, indem in den warmen Jahreszeiten die verschiedensten Blumen ihren Duft verströmten und viele Vögel und andere kleine Tierchen anlockten. Umrandet war der Garten, seit dem Tod des kleinen Hundes, der Garten von dichten Büschen, die regelmäßig zurechtgeschnitten und gestutzt wurden.

Sechs Jahre alt war ich nun und der erste Schultag, dem ich mich schon lange entgegensehnte, stand vor der Tür. Seit Marco die Schulbank drückte, war ich immer begeistert und fasziniert davon gewesen, was er alles lernte. Immer wenn er seine Aufgaben gemacht hatte, hatte ich ihm über die Schulter geschaut und so schnell wie er lesen, schreiben und rechnen gelernt.

Voller Aufregung und Spannung betrat Ich nun das Klassenzimmer, in dem die Stühle in einem Kreis aufgestellt, und einige schon von erwartungsvoll dreinschauenden Kindern besetzt waren. Schnell wanderte mein Blick über die teils bekannten, teils unbekannten Gesichter, bis er an meiner Freundin, die ich gesucht hatte, hängen blieb. Genauso wie ich war sie von ihren Eltern, die sie gerade verabschiedeten, hergebracht worden.

Auch mein Vater Jaan drückte mir schnell einen Kuss auf die Stirn und flüsterte mir, als ich ihn nochmals stürmisch umarmte, “Sei brav, Kleines und viel Spaß an deinem ersten Schultag.“ zu, bevor er durch die Tür verschwand, durch die wir gerade eben noch zu Zweit hereingekommen waren, um in seine Anwaltskanzlei zu fahren, die mein Vater schon seit Jahren leitete.

Fröhlich, wie ich meistens war, setzte ich mich auf den Stuhl neben meine Freundin und wartete gespannt darauf, was nun kommen würde. Tatjana wohnte im Nachbarhaus und wir kannten uns seit ich denken konnte.


Schon nach ein paar Wochen ging ich nicht mehr mit solchem Elan und Begeisterung zur Schule. Dadurch, dass ich Lesen und Schreiben genauso wie Rechnen schon mit meinem Bruder gelernt hatte, langweilte ich mich im Unterricht und schnell ließ die Konzentration nach. Ich fing an in den Stunden an zu zeichnen und verlor dadurch irgendwann den Anschluss.

Zwar war ich intelligent genug um alles zu begreifen was ich lernen musste, aber es fehlte mir oft das Interesse und die Lust daran und ich wurde ziemlich faul. Meine Noten verschlechterten sich und in all den Jahren hatte sich dies nicht mehr gebessert. Ich musste zwar nie ein Jahr wiederholen, da ich immer gerade noch die letzte Gelegenheit wahr nahm, um noch einmal davon zu kommen, aber die Faulheit blieb.


“Ach komm schon, nun zier dich nicht so…“
Ich war vierzehn, als mein bester Freund Sascha dies zu mir sagte. Er war gleich alt wie mein Bruder Marco und durch diesen hatten wir uns auch kennen gelernt. Vor Jahren hatten wir uns getroffen, damals noch kleine Kinder, und sind Freunde geworden. Inzwischen hatte sich diese Freundschaft vertieft und wir vertrauten einander alles an. Bis auf Marco erfuhr nur Sascha, was wirklich alles in mir vorging.

Wir waren bei ihm zu Hause gewesen, wie schon so oft, und wollten einen Film anschauen. Wir hatten uns schon lange vorgenommen, uns diesen Film auszuleihen und ihn gemeinsam zu sehen und endlich hatten wir die Zeit dafür gefunden. Plötzlich legte er während des Films einen Arm um meine zierlichen Schultern, um mich zu sich zu ziehen. Mit großen Augen blickte ich ihn an, einerseits nicht sicher, was er wollte, andererseits unsicher, ob ich mochte, was er tat. Er lächelte zärtlich und aufmunternd, als er meine Schulter streichelte, um mich dazu zu überreden, mich an ihn zu schmiegen. Es war nicht das erste Mal, dass er mich im Arm gehalten hatte, also gab ich nach und ließ mich zu ihm ziehen.

Doch er wollte dieses Mal mehr, als mich nur im Arm zu halten. Zärtlich drehte er mit einem Finger, den er mir unters Kinn legte, meinen Kopf zu sich und schaute mir tief in die Augen. Dann berührte er sanft meine Lippen mit den seinen und öffnete leicht seinen Mund, um mit seiner Zunge über meine schön geschwungenen Lippen zu streichen. Da ich bis jetzt nichts getan hatte, vor allem ihn nicht weggestoßen, wagte er mehr und versuchte langsam mit seiner Zunge mich zum öffnen meines Mundes zu bewegen und gleichzeitig fuhr er mit den Fingerspitzen ganz langsam und vorsichtig von meinem Knie den Oberschenkel entlang das Bein hinauf. Zärtlich liebkoste er dann die Innenseite meines schlanken Beines. Als er allerdings mutig genug wurde und seine Finger zwischen meine Beine gleiten ließ, stieß ich ihn von mir und schaute ihn empört an.

“Ach komm schon, nun zier dich nicht so…“, entfuhr es ihm. Erschrocken sah er mich an und schlug sich die Hand vor den Mund. Dass er das eben gerade gesagt und nicht nur gedacht hatte, wollte er wohl nicht glauben.

Wütend und enttäuscht von meinem Freund stand ich wortlos auf und ging hinaus. Ich holte mir meine Jacke, zog meine Schuhe an und ging nach Hause. Ich war nicht zornig darüber, was Sascha getan hatte, nur dass ER es war, der es getan hatte. Er war doch mein bester Freund, derjenige, dem ich alles anvertraute… Ich war irritiert, dass er anscheinend nun anders fühlte als ich, und traurig. Ich wollte ihn nicht als Freund verlieren…
Zuhause verschwand ich in meinem Zimmer, ohne mit jemandem zu reden und legte mich aufs Bett. Ich war verwirrt, mir über meine Gefühle nicht im Klaren und wollte nachdenken. Warum hatte Sascha das nur getan? Was genau hatte er sich erwartet? Dass ich mit ihm schlief? Eine Beziehung? … Ich wusste es nicht und langsam begann ich mich selbst zu fragen, ob ICH das wollte. Ich schüttelte leicht den Kopf. Ich mochte Sascha sehr… fand ihn nett und er war auch verdammt gut aussehend, aber er war und blieb mein bester Freund. Mir vorzustellen, eine Beziehung mit ihm zu haben, war seltsam und irgendwie … falsch?
Mit dem Gedanken, dass ich richtig gehandelt hatte, schlief ich ein, mir vornehmend, mit Sascha zu reden…

Am nächsten Tag rief ich Sascha so früh ich konnte an, um mich mit ihm zu treffen. Er schien am Telefon recht erleichtert und glücklich zu sein, mich zu hören. Als wir uns dann im Park, in dem wir oft waren, trafen, redeten wir lange miteinander. Er entschuldigte sich für das, was er getan hatte, war geknickt und über sich selbst ein wenig erschrocken, was er gewagt hatte, ohne mit mir darüber zu reden, wo wir doch sonst über alles miteinander reden konnten.

Als ich ihn fragte, warum … warum er die Freundschaft durch so eine Aktion gefährdet hatte, blickte er mir traurig in die Augen “Weißt du es nicht? Fühlst du es nicht?“ Deprimiert über seine Aussage und mich hilflos fühlend, weil ich nicht so fühlte und dachte wie er, drehte ich mich weg und starrte auf die Blumen und Bäume im Park. “Aber ich liebe dich nicht“, flüsterte ich, ohne mich umzuschauen, aus Angst, in seine Augen schauen zu müssen, in denen sich die verletzen Gefühle spiegelten.

“Ich will dich nicht verlieren…“, presste ich zwischen meinen Lippen hervor, mich ruckartig umdrehend und ihn mit flehenden Augen anschauend. Langsam ging er auf mich zu und legte vorsichtig seine Arme um mich, als hätte er Angst, dass ich ihn wieder von mir stoßen würde. Stattdessen kuschelte ich mich an ihn. “Du bist mein Freund… Ich brauch dich doch…“, flüsterte ich gegen seine Schulter, während er mich in seinen Armen hielt. “Ich werde dich nicht alleine lassen“, entgegnete er mir. Aber dich ewig lieben.

Er blieb bei mir, war immer für mich da, wenn ich ihn brauche, so wie ich für ihn und ich war froh, meinen Freund nicht verloren zu haben. Ich wusste nicht, ob er mich immer noch liebte und ich dachte nicht oft daran. Ich verdrängte diese Gedanken immer, um kein schlechtes Gewissen zu bekommen. Immer hatte ich das Gefühl, ihm nur mit meiner Nähe weh zu tun, aber er schien es nie so zu sehen. Immer war er da, immer unterstützte er mich, egal, was ich machte. Ab und zu fragte ich mich, ob ich falsch gehandelt hatte, ob ich je jemanden finden würde, der mich so liebte wie er, aber immer, wenn ich mir nicht sicher war, fragte ich, ob ich seine Gefühle genauso erwiderte und jedes Mal kam ich auf das gleiche Ergebnis. Ich mochte ihn, sehr, aber ich liebte ihn nicht so, wie er mich…


Zu meinem Bruder Marco hatte ich stets ein ganz besonderes Verhältnis. Wir waren unser ganzes Leben gut miteinander ausgekommen und er hatte immer auf mich aufgepasst, sich um mich gesorgt. Ich konnte mit ihm immer über alles reden und erzählte ihm all meine Sorgen, Probleme und Freuden. Er war für mich ein Vorbild und Freund und ich hatte es noch nie verstanden und würde es wohl auch nie verstehen, dass andere Geschwister sich oft nicht verstanden. Für mich war mein Bruder das Beste, das mir je hatte passieren können. Niemanden liebte ich so sehr wie ihn.

Als ich achtzehn wurde, schenkte er mir eine silberne Kette mit einem Chinesischen Freundschaftsanhänger und einen dazu passenden Ring. Ich trage diesen Schmuck bis heute und legte ihn nie ab. Es war für mich das Wertvollste, das ich besaß. Er gab mir das, um mir zu zeigen, dass ich für ihn nicht nur seine kleine Schwester war, sondern auch seine Freundin, der er vertraute.

Zwei Wochen darauf geschah Schreckliches. Es war ein Samstag Abend und wie jede Woche ging er mit seinen Freunden in deren Stammlokal, um Billard zu spielen und zu plaudern, da sie alle arbeiteten und unter der Woche nicht so viel Zeit für einander hatten. Auch ich, Tatjana und Sascha gehörten zu dieser Gruppe, die jede Woche fort ging, um sich zu treffen. Dieses Mal wollte ich zu Hause bleiben. Mir war nicht gut und ich legte mich lieber schlafen, um nicht krank zu werden. Also ging Marco alleine mit den anderen fort. Das war das letzte Mal, dass ich ihn so sah..

Am nächsten Morgen wachte ich recht früh auf. Es ging mir schon wieder besser und ich schlich mich leise in Marcos Zimmer, um mich an ihn zu kuscheln und bei ihm ein wenig weiter zu schlafen, wie so oft. Als ich die Tür öffnete, sah ich sofort, dass das Bett leer war und auch unbenutzt. Ich wunderte mich, so lange waren sie doch nie fort gegangen. Ich schaute mich nochmals um und auf die Uhr, um mich zu vergewissern, dass es wirklich schon Morgen war, bevor ich wieder in mein Zimmer ging, um dort zu warten, bis meine Eltern aufstanden.

Sobald ich mir sicher war, Sascha nicht mehr zu wecken, ging ich zum Telefon und rief ihn an, um ihn zu fragen, ob Marco vielleicht bei ihm sei. Es wäre ja möglich, wenn auch für Marco untypisch, dass er zu viel getrunken hatte und bei Sascha schlief, um nicht alleine nach Hause zu müssen.

Sascha jedoch war verwundert, da sie am vorigen Abend nicht all zu lange fort gewesen waren. Er erzählte mir, dass sie das Lokal ungefähr um eins verlassen hatten, um nach Hause zu gehen. Die meiste Strecke des Weges gingen sie zusammen, da Sascha nicht weit von ihnen entfernt wohnte. Nur das letzte Stück war Marco also alleine gegangen und anscheinend nie zuhause angekommen…

Ich informierte meine Eltern und diese schalteten sofort die Polizei ein, informierten sie über alles, was sie über Marco wissen mussten. Den ganzen Tag saß die ganze Familie ziemlich verzweifelt zuhause, schrak hoch, wenn es an der Tür klingelte oder das Telefon ging, einerseits hoffend, dass es Marco war, andererseits voller Angst, die Nachricht und somit die Gewissheit zu bekommen, dass er nie wieder nach Hause kommen würde. Die schlimmsten Geschichten malten sie sich aus, aber Marco wurde nicht gefunden…

Am Nachmittag kam Tatjana vorbei. Sie war seit dem Kindergarten meine beste Freundin neben Sascha und kannte die Familie recht gut. Sie ging hier so oft aus und ein, dass Marco für sie schon fast wie ein Bruder war. Schluchzend umarmte sie mich, als sie von Marcos Verschwinden erfuhr. Sie war am Samstag mit den anderen dabei gewesen und hatte mit Marco an diesem Abend noch herumgeblödelt und geflirtet, so wie immer, da sie ihn schon seit einiger Zeit nicht nur als großen Bruder sah.

Tatjana war ein recht hübsches Mädchen mit seidigen langen schwarzen Haaren und genauso dunklen Augen. Ihr Gesicht war gebräunt und ihre Figur grazil, fast zerbrechlich. Ihre große Leidenschaft gehörte dem Reiten und hatte auch mich dazu gebracht. Ich war allerdings nicht so gut und hörte bald wieder auf, regelmäßig Stunden zu nehmen, sondern ging nur sporadisch mit Tatjana zum Reitstall.

Arm in Arm, uns gegenseitig tröstend und Mut zusprechend, saßen wir den ganzen Tag auf der Couch. Mit tränennassen Augen und gerötetem Gesicht saßen wir einfach nur da und hielten uns fest. Einander Schutz und Stärke spendend, diese Situation irgendwie zu überstehen. Spät in der Nacht ging Tatjana dann nach Hause, um schlafen zu gehen und auch ich schleppte mich müde und verzweifelt in mein Bett.


Mitten in der Nacht wachte ich auf, aufgeschreckt durch ein Scheppern im Gang und glitt leise aus dem Bett, um nachzuschauen, was da draußen vor sich ging. Kaum hatte ich meine Zimmertüre geöffnet, stieß ich einen Schrei aus und rannte auf Marco zu, der im Gang zusammengebrochen war. Was passiert war wusste ich nicht und auch nicht, wo er war und warum die Polizei ihn nicht gefunden hatte. Es war mir alles egal und schluchzend umarmte ich meinen geliebten Bruder, den zu verlieren ich so gefürchtet hatte.

Auch unsere Eltern wurden wach und kamen aus dem Schlafzimmer, um zu schauen, was los war, Vater mit einem der schweren Kerzenhalter, die in ihrem Zimmer standen, in der Hand. Als sie jedoch Marco sahen, waren sie genauso überrascht und dankbar, dass er am Leben und wieder bei ihnen war. Schnell wurde er in sein Bett gebracht und da er sich weigerte zu reden, gingen die Eltern schlussendlich wieder ins Bett und hofften, am morgigen Tag mehr zu erfahren. Auch mich schickten sie wieder ins Bett, doch kaum waren sie verschwunden, schlich ich wieder zu Marco in sein Zimmer. “Wo warst du? Was ist passiert? Bist du krank? Wie geht es dir?...“, sprudelten meine Fragen aus mir heraus und mit großen, verzweifelten Augen blickte ich ihn an.

“Ich… Ach Chayenne… Warum bin ich nur fortgegangen… Ich wünschte, ich wäre hier geblieben… Dann… wäre ich nicht das, was ich nun bin…“, brachte mein Bruder hervor und ich blickte ihn verständnislos an. “Was… was bist du?? Was meinst du? Sag doch was!“Mit den letzten Worten wurde ich lauter, senkte meine Stimme aber sofort wieder, als Marco mir die Finger auf meine Lippen legte. “Ich bin nicht mehr das, was ich einmal war… Chayenne… Ich muss die Familie verlassen, ich muss weit weg von hier, sonst… Ich will nicht etwas tun, was ich bereuen würde… Ich… wurde gebissen…“

“Gebissen von was? Einem Hund? Einer Katze? Was meinst du? Und was würdest du bereuen? Marco… Was ist los? Ich versteh gar nichts!“ Meine Stimme wurde panischer und in meinen Augen konnte man den Schmerz und die Verständnislosigkeit lesen, die mich bedrückte. “Ach meine Kleine…“, seine Stimme war zärtlich und sanft streichelte er meine Wange, in die ich mich kuschelte. “Du bist so… unschuldig, aber ich muss dir diese nehmen. Dir vertrau ich, dir erzähle ich, was passiert ist, aber du darfst es Mam und Dad nicht erzählen.“ Nach meinem stummen Nicken fuhr er fort. “Ich bin gestern mit Sascha nach Hause gegangen. An der Weggabelung haben wir uns getrennt und er meinte noch, ich soll keinem Nachtteufel über den Weg laufen. Nun, ich denke damit hat er wohl nicht gerechnet. Auf den letzten Metern bin ich einem Mann begegnet, einem, den ich schon in der Bar gesehen hatte. Er hat mich den ganzen Abend beobachtet und ich hatte irgendwie das Gefühl, dass er etwas von mir wollte. Was es genau war, erfuhr ich nun.“

Mit großen Augen blickte ich Marco an. “War er homosexuell?“ und mein Bruder lachte lese auf. “Glaub mir, es wäre mir lieber gewesen, er wäre es gewesen und hätte nur meinen Körper gewollt. Aber… Er wollte etwas ganz anderes. Und weil du gefragt hast, ob er homosexuell ist. Ich denke ja, denn anscheinend hab ich ihm gefallen.“ Ein wenig angewidert verzog Marco das Gesicht und ein schnelles Schmunzeln glitt über meine Lippen. Ich wusste, dass er absolut nichts für solche Typen übrig hatte, vor allem, wenn sie ihm zu nahe kamen. “Naja, er sagte, er wolle mich und als ich ihm klarmachen wollte, dass ich nicht auf Typen stehe, kam er näher und lächelte nur, wobei ich seine Zähne sah… Schneller als ich reagieren konnte, hatte er meine Hand gefasst und seine Zähne in meinen Hals gegraben… Chayenne! Es war ein Vampir! Ich weiß, alle halten sie für Märchen, aber … es gibt sie wirklich…“ Entsetzt schüttelte ich den Kopf und starrte ihn nur mit großen Augen an. Es konnte nicht wahr sein! Nie! Diese Wesen waren doch nur dazu da, dass kleine Kinder Angst bekamen… “Hast du dich noch nie gefragt, warum in Santa Carla so viele Leute verschwinden? Nie wieder auftauchen und es so viele Todesopfer gibt? Ich hab schon eine Weile versucht, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, wollte wissen, was hier los ist… Und nun… nun hab ich dafür bezahlt…“ Seine Stimme brach zusammen und ich sah, wie Tränen in seinen Augen glitzerten, was mich mehr erschreckte als alles andere. Er war mein großer Bruder! Er beschützte mich vor allem! Ihn jetzt weinen zu sehen, traf mich tief und verunsicherte mich. Es musste wahr sein, was er sagte, warum sonst hätte er solche Angst…

“Nachdem er von mir getrunken hatte, dachte ich, nun sterbe ich… Aber es kam anders, warum weiß ich nicht. Der Vampir… Sein Name war Angelo… Er biss in seinen Arm und hilt mir ihn dann hin, um mir sein Blut anzubieten. Im ersten Moment wollte ich mich wehren, aber er zwang mich, indem er mir den Arm an meine Lippen presste und so trank ich. Die Schmerzen… Chayenne, du kannst dir nicht vorstellen, wie groß die Schmerzen der Wandlung sind!“ Erschreckt hob ich meinen Kopf, den ich bisher in seiner Hand gehabt hatte. “Wandlung? Bist du… auch…?“ Und Marco nickte leicht. “Ich wurde zu einem Vampir gemacht, deswegen bin ich auch erst in der Nacht heim gekommen. Angelo hat mich mitgenommen in sein Versteck, das er am Tag immer benutzt… Und diese Nacht wollte er mich mitnehmen, mir zeigen, wie ich einem Menschen das Blut aussauge, aber ich… kann nicht, ich wollte zu dir… Also bin ich verschwunden, sobald ich konnte. Er hat mich nicht verfolgt, sondern nur gelacht, als ich vor ihm davon rannte.“

Erschöpft legte sich Marco nun auf den Rücken und ich blickte nur stumm auf ihn nieder. “Aber… Ich dachte… Vampire trinken Blut? Sterben sie sonst nicht?“ Ich wusste, dass Marco sich schon immer für diese Wesen, Werwölfe und Vampire interessiert hatte und ich fragte nach, um zu verstehen, wissen, wie ich reagieren sollte… “Nicht ganz… Erst wenn ein Vampir oder ein Werwolf das erste Mal getötet hat… oder nur Blut getrunken hat, das weiß ich nicht so genau, wird er wirklich zu einem ganzen Wesen der Nacht. Solange bin ich… halb Mensch halb Vampir.“. Mit einem Ruck drehte er sich zu mir um. “Deswegen muss ich verschwinden Chayenne. Ich will euch nicht gefährlich werden… Und ich will auch Mam und Dad nicht sagen, was passiert ist. Ich werde wieder verschwinden. Vergiss mich nicht Schwesterherz…“

Entsetzt blickte ich ihn an. “Nein! Nein, das darfst du nicht tun! Du darfst mich nicht alleine lassen! Nimm mich mit, lass mich nicht zurück! … Gibt… Gibt es eine andere Möglichkeit? Irgendwas? Kannst du nicht wieder… Mensch werden?“ Ich klammerte mich an seinen Arm und meine Augen waren mit Tränen gefüllt, die ich versuchte wegzublinzeln. Eine Träne, die meine Wange hinab rann, strich Marco sanft weg. “Ich weiß es nicht. Was soll es schon für eine Möglichkeit geben? Ich bin… verflucht… Aber vielleicht gibt es eine Möglichkeit… Ich muss allerdings nachschauen in den Büchern, die ich hab… Aber jetzt schlaf, OK?“ Misstrauisch blickte ich ihn an. “Nein, ich geh nicht weg. Ich schlaf bei dir. Ich will nicht, dass du dich nachher davon schleichst…“, antwortete ich entschlossen und mit einem resignierten Seufzen gab er nach.


Die nächsten Tage erklärte er unseren Eltern, dass er krank war und das Sonnenlicht nicht sehen wollte und dunkelte sein Zimmer ab. Ich blieb fast die ganze Zeit bei ihm und nur Tatjana und Sascha besuchten uns ab und zu in seinem Zimmer, in dem wir die meiste Zeit verbrachten. Die ganze Zeit durchforsteten wir die Bücher und fanden schlussendlich eine Möglichkeit. Ein Amulett, das es irgendwo gab, zusammen mit dem Blut einer Jungfrau musste den größten aller Nachtwesen vernichten, um alle Halbdämonen, wie man die halben Vampire und Werwölfe nannte, wieder zu Menschen zu machen. Kaum hat aber ein Halbdämon einmal getötet, würde er immer ein Wesen der Nacht bleiben. Wir hatten diese Dinge recht schnell herausgefunden und auch unsere besten Freunde Sascha und Tatjana eingeweiht, die uns bei allem geholfen hatten.

Wir fanden durch Zufall außerhalb von Santa Carla ein Kloster, in dem die Mönche von solchen Wesen wussten, warum wusste ich nicht, ich hatte nicht gefragt. Ich war nur durch Zufall darauf gestoßen. Kurzentschlossen beschlossen Marco und ich, dass er bei diesen am besten aufgehoben wäre, da sie wussten, wie sie ihn vor sich selbst zu beschützen hatten und in einer Nacht verschwand Marco für meine Eltern für immer. Ich verschwieg, wo er hingegangen war und kapselte mich von meinen Eltern immer mehr ab, die das Verschwinden von Marco allerdings nicht gut verkrafteten.

Jaan, mein Vater arbeitete mehr, war kaum noch zu Hause und versuchte so, seinen Schmerz und die Trauer über den Verlust seines Sohnes zu verarbeiten.
Meine Mutter Francoise fing an, Alkohol zu trinken und zu rauchen. Sie wurde zickig und unfreundlich. Ich wusste, dass das alles nur passierte, weil Marco verschwunden war und meine Mutter dies tat, um irgendwie damit leben zu können. Aber ich konnte ihr nicht die Wahrheit sagen. Die Familie brach auseinander und kurz darauf zog ich aus.

Ich zog in ein kleines Appartement, das mir mein Vater zahlte, während ich nebenbei studierte. Ich verbrachte viele Stunden in den Bibliotheken und auch immer wieder im Kloster, um Marco zu sehen und durch die Hilfe vieler Brüder, Ordensmitglieder, Reliktjäger und Händler kam ich endlich in den Besitz des verzweifelt gesuchten Amuletts. Tatjana liebte Marco immer noch und unterstützte mich in allem, was ich tat. Sie wurde recht zickig gegenüber anderen Kerlen und auch ansonsten recht selbstbewusst und auch schlagfertig. Sascha… Sascha war immer für mich da, begleitete mich manchmal wie ein Schatten und beschützte mich vor allem, was mir gefährlich werden könnte…


Alpträume quälten mich, seitdem Marco mir all das erzählt hatte, in hundert verschiedenen Varianten sah ich meinen Bruder sterben oder sich endgültig in einen Vampir verwandeln und nie konnte ich was dagegen tun. Ich machte mir jeden Morgen wieder Vorwürfe, gab mir die Schuld, die Schuld an seinem Fluch.


Geschichte: