Chayenne Kureyri
Name
Chayenne Kureyri
Chayenne deswegen, weil ihre Mutter aus Frankreich kommt und mit diesem Namen Erinnerungen verbindet, da dieser einer geliebten Freundin, die schon in sehr jungen Jahren gestorben ist, gehört hat.
Rufname
Es hat bisher noch selten jemand versucht, ihren Namen abzukürzen, weil es für ihren Namen kaum sinnvolle und logische Verniedlichungen gibt. Einzig ihr Bruder nannte sie immer Chay, komplett anders ausgesprochen als in ihrem richtigen Namen, sprach er es »Sche-i« aus, so dass es fast wie »shy« - schüchtern – klang.
Alter
24 Jahre alt.
Herkunft
Aufgewachsen ist Chayenne in Maryland auf einer Pferderanch, auf der ihre Eltern und ihre jüngere Schwester Myriam auch immer noch leben. Sie kennt sich gut mit Pferden aus, reitet sie auch gerne, aber ihre Liebe gehört den Hunden. Sie liebt das Land und die Umgebung sehr, hat aber beschlossen ihre Familie zu verlassen, um etwas zu erleben, Medizin zu studieren und ihrem großen Bruder nachzugehen.
Art
Mensch – wissend
Aussehen
Besonders groß ist Chayenne nicht. Da ihr Vater von Iren abstammt ist sie recht klein im Gegensatz zu anderen Mädchen in ihrem Alter. Allerdings hat sie das nie besonders gestört. Sie ist ungefähr 1.60 groß, aber dennoch sehr schlank. Ihre Figur ist grazil und sie wirkt für viele zerbrechlich. Wenige würden vermuten, was für eine Kraft in diesem Mädchen steckt.
Auch ist sie muskulös, was vermutlich auf die Arbeit auf der Farm zurückzuführen ist. Sie packte dort immer mit an und ist dadurch auch nicht so blass wie die Stadtmädchen. Ihre Haut schimmert leicht golden und bildet so einen schönen Kontrast zu ihren Haaren. Sie kann noch so lange in der Sonne sitzen, brauner wird sie nicht, worüber sie allerdings froh ist, da sie nicht sofort als Landmädchen erkannt werden wollte.
Ihre früher hüftlangen Haare sind von einem satten weizenblond und recht dick, wirken wie gesponnenes Gold. Seit sie ihre Eltern verlassen hatte, gelangten die Spitzen ihrer Haare nur noch bis zum Ende ihrer Schulterblätter, umrahmten ihr Gesicht in wilden Locken. Eine ihrer Verrücktheiten ist, die Haare in allen möglichen Steckfrisuren an ihrem Kopf zu befestigen. Sie hat immer wieder neue Ideen, was sie mit den langen Haaren anstellen könnte. Auf der Ranch trug sie sie allerdings meist zu einem Zopf geflochten, da dies einfach praktischer für die Arbeit war. Aber auch dann lösen sich vor ihren recht kleinen Ohren immer wieder ein paar Strähnen, die dann neckisch ihr Gesicht umspielen.
Die Augen sind rehbraun und blickten früher immer recht freundlich in die Welt. Inzwischen jedoch sah man darin den Schmerz, die Angst und die Einsamkeit ihres Lebens wiederspiegeln. Chayenne ist selten wirklich wütend, dann aber blitzen ihre Augen auf. Eingerahmt sind Diese von schmalen Augenbrauen, die wie gezeichnet wirken. Die Nase ist klein und ein wenig frech. Ihre schön geschwungenen Lippen vervollständigen das Bild des recht zierlichen Gesichts.
An ihrer linken Seite hat sie eine Narbe, die circa eine Handspanne lang ist. Diese hat sie sich bei einem Reitunfall zugezogen, als das Pferd nicht so wollte wie sie. Ansonsten hat sie keine groben Verletzungen, die erwähnenswert wären.
Gekleidet ist Chayenne meist sehr leger. Sie liebt schöne Kleider, trägt sie aber selten, da sie unpraktisch sind. Also verlassen ihre schönen Kleider den Kasten nur, wenn sie auf eine Feier oder einen Ball geht. Im Alltag trägt sie meist Blue Jeans und im Sommer Tops, die knapp bis zum Hosenbund reichen. Im Winter werden diese durch enge Pullover, die aber dennoch warm sind, ersetzt. Sie betont ihre Figur gerne, aber sie zieht sich nicht allzu aufreizend an. Ihrer Meinung nach sieht man ihre Reize auch, wenn sie sie nicht so heraus hebt, was durchaus der Wahrheit entspricht.
Chayenne besitzt kaum Schmuck, da dieser auf der Ranch nur unpraktisch war und verloren oder kaputt gehen konnte. Allerdings hatte sie sich eine silberne, filigrane Kette, die sie inzwischen immer trägt, gekauft. Der Anhänger besteht aus einem kleinen Herz aus Opal, den sie zu einem Geburtstag von ihrem Bruder Marco bekommen hatte.
Waffe
Auf der Ranch hatte sie gelernt, mit einer Flinte umzugehen, da es ab und zu unumgänglich war, ein Tier von seinem Leiden zu erlösen. Sie schoss recht gut, da ihr Vater und Bruder sie gut unterrichtet hatten.
Seit sie in Los Angeles wohnt, hatte sie sich Messer angewöhnt, die sie an ihren Fußfesseln ebenso wie an ihren Händen befestigt hatte, immer schnell zu erreichen und immer genug auf Vorrat, falls ihr eines entglitt. Das ist auch der Grund, warum sie eigentlich immer Uhr- und Zeitlos herum läuft. Natürlich hat sie ein Handy, auf dem sie schauen kann, aber es kommt doch oft vor, dass sie irgendwen anspricht, um die Zeit zu erfahren.
Sie besucht auch regelmäßig einen Selbstverteidigungskurs, nicht einen für die ganzen Massen, die glücklich waren, wenn sie zwei Würgegriffe lernen, nein sondern Krav Maga, Selbstverteidigung, die auch im Israelischen Heer gelernt wurde, direkter und brutaler als viele anderen.
In ihrer Tasche hat sie ebenfalls immer eine Waffe dabei, eine Walter PPK, geladen und genügend Munition um es mit mehr als einem Gegner aufzunehmen, auch wenn sie sie noch nie benutzen musste.
Charakter
Aufgeschlossen und fröhlich beschreiben sie wohl am besten. Sie ist eigentlich immer gut gelaunt und lacht sehr viel. Mit ihrer Fröhlichkeit ist sie regelrecht ansteckend und in ihrer Gegenwart schaffen es nur wenige nicht zu lächeln. Durch eben diese Eigenschaft findet sie auch schnell Leute, mit denen sie reden kann und freundet sich sehr bald an. Sie ist sehr beliebt aber nicht eingebildet deswegen. – Das war die alte Chayenne. Inzwischen war sie lang nicht mehr so fröhlich und aufgeschlossen wie zu dem Zeitpunkt als sie nach Los Angeles gekommen war. Allerdings hält sie immer noch ihre Maskerade aufrecht, lacht viel wenn sie mit Leuten unterwegs ist, die sie kannten, spielt die naive Schönheit, für jeden Scherz zu haben…
Sie kann nur sehr selten still sitzen, dafür ist sie viel zu quirrlig und gewohnt etwas zu arbeiten. Wenn sie einmal sitzt, dann sind ihre Hände oft damit beschäftigt, mit ihren Haaren zu spielen. Wirklich ruhig ist sie selten. Das hat sich auch seit dem Ereignis nicht geändert, das wird sich nie ändern. Chayenne ruhig zu bekommen dürfte eine Lebensaufgabe sein.
Hilfsbereitschaft ist für sie ein ungeschriebenes Gebot. Wenn sie kann, hilft sie jedem und übertreibt auch manchmal. Sie hat schon des Öfteren einfach so von ihren Eltern um Geld gefragt, um einem Obdachlosen zu helfen oder einem kleinen Kind ein Spielzeug, das kaputt gegangen ist nachzukaufen. Es gehört zu ihr, wie der Wissensdurst, der sich hauptsächlich auf die Medizin und die Wesen der Nacht niederschlägt.
Obwohl sie sehr neugierig ist, schweigt sie über die Dinge, die sie erfährt. Oft schütten Freundinnen ihr Herz bei ihr aus, weil sie wissen, dass es unter ihnen bleibt und Chayenne nichts verrät. Vertrauen ist für sie sehr wichtig und setzt es bei anderen viel zu oft voraus. Sie wurde zwar schon einige Male in der Hinsicht enttäuscht, aber sie verzeiht und vergisst recht schnell. Zumindest wenn es um für sie belanglose Dinge geht. Über die Wesen der Nacht, die Mythen, die Ängste die sie hatte und ihre Einsamkeit, ihre eigene Geschichte schweigt sie immer. Darüber erzählte sie bisher nie jemandem etwas, egal wie sehr sie ihm vertraute.
Stärken und Schwächen
Ihre Narretei, die Liebe zu Hunden und Wölfe ringt vielen ein Kopfschütteln ab. Sie muss jeden Hund streicheln, kann sich die Wölfe im Zoo stundenlang ansehen und hat sich selbst einen Hund angeschafft, seit sie alleine war. Ronja, ein Rottweilerweibchen begleitet sie auf Schritt und Tritt, gut erzogen, aber aggressiv auf jeden, der Chayenne ungefragt näher kommt.
Weiteres ist ihre Schnelligkeit etwas aufzunehmen und zu verstehen verblüffend. Mit Sprachen hat sie sich nie schwer getan und spricht neben ihrer Muttersprache fließend französisch, was sie von ihrer Mutter gelernt hat. Auch andere Dinge, wie komplizierte Prozesse in der Chemie oder in sonstigen Fächern wurden von ihr schnell verstanden und erklärte sie bereitwillig allen anderen.
Hingegen ihre Ungeduld und Faulheit sind die größten und auffälligsten Mängel, die sie besitzt. Wenn etwas nicht sofort geschieht kann sie recht zappelig werden. Sie lange warten zu lassen ist deswegen nicht empfehlenswert und Unpünktlichkeit hasst sie wie die Pest. Ihre Faulheit versucht sie allerdings immer wieder zu bekämpfen, was ihr allerdings nicht ganz gelingen mag. Sich hinzulegen und ein Buch zu lesen ist nun mal weniger anstrengend, als für die Schule zu lernen oder sich mit Sachtexten herumzuschlagen, obwohl sie die Hintergründe schnell versteht. Man benötigt schon an Überredungskunst, um sie für so trockenen Stoff zu begeistern. Hat man das allerdings einmal geschafft, ist sie doch immer wieder erstaunt und fasziniert davon, wie schnell sie diese Dinge eigentlich versteht.
Männer in den Wahnsinn zu treiben, zu flirten und mit ihren Reizen zu spielen ist etwas, das sie einfach nicht lassen kann und manchmal zu einer regelrechten Sucht ausartet. Es war für sie immer schon reizvoll zu sehen, wie schnell sie jemanden bekommen konnte, wie schnell ein Mann für sie tat was sie wollte. Allerdings weiß sie sich auch zu wehren, wenn ihr ein Annäherungsversuch missfällt. Und auch wenn sie flirtete was das Zeug hält, wenn sie mit dem Feuer spielte… Sie hatte noch nie einen Mann näher an sich heran gelassen, was vielleicht auch ein Grund für ihre plötzlichen Abweisungen ist, sobald ihr einer näher kommt: Sie hat Angst.
Neugierde würden wohl die meisten als ihre schlimmste und anstrengendste Eigenschaft bezeichnen. Wenn sie eine Frage hatte, stellte sie diese, ohne zu überlegen, ob es dem Gegenüber vielleicht peinlich ist oder ob es sie überhaupt etwas anging. Sie erfährt so zwar recht viel, macht sich damit aber nicht immer Freunde. Aber sie petzt nichts weiter. Es befriedigt sie, etwas zu erfahren, aber grundsätzlich behält sie es für sich. Durch die Fragerei ist sie auch zu einigem ihres medizinischen Wissens gekommen, da sie den Tierarzt und Hausarzt immer gelöchert hat, wenn er hier war und sie oft länger geblieben sind, um ihren Wissensdurst zu stillen. Auch ihr Wissen über Vampire hatte sie durch Fragen erfahren und durch Lesen erweitert.
Fähigkeiten
Chayenne hat sich schon je her für Medizin und Krankheiten interessiert seit sie das erste Mal beim Tierarzt zugeschaut hat, der gerade ein Pferd behandelt hat. Auch von der Geburt ihrer jüngeren Schwester war sie fasziniert gewesen, bei der sie nach langem Betteln zuschauen durfte. Inzwischen hatte sie sich ein umfassendes Wissen angelegt und beschlossen auch Medizin zu studieren, um Menschen helfen zu können.
Schwimmen ist eine große Leidenschaft von ihr und sie hat es sehr weit darin gebracht. Ebenso wie tauchen ist das etwas, das sie im Sommer regelmäßig und andauernd trainiert und macht.
Die zweite Sportliche Betätigung, die sie sehr gut beherrscht ist der Kampfsport. Sie hat erst in Los Angeles damit angefangen, dafür aber umso härter trainiert, da sie die Bewegungsabläufe und die Koordination daran, sowie die absolute Körperbeherrschung faszinieren. Dem Kampfsport hat sie sich somit komplett verschrieben und ist davon absolut begeistert.
Beweggründe
Sie war achtzehn gewesen, als sie ihren Eltern verkündet hatte, dass sie zu Marco gehen wolle, dass sie ebenfalls nach Los Angeles ziehen würde, um bei ihrem Bruder zu leben, Medizin zu studieren, wie sie es schon immer vorhatte. Wirklich überraschend kam es nicht und sie hatte den Segen ihres Vaters ebenso wie den der Mutter. Marco würde schon auf sie acht geben. Er war seit einem Jahr ebenfalls in Los Angeles um dort Journalismus zu studieren. Er hatte eine gesunde Neugier - wie Chayenne - und schrieb für sein leben gerne. Manchmal war er auch etwas zu waghalsig, wagte sich zu weit in Dinge vor, die ihn nichts angingen, was ihn schon ab und zu in heikle Lagen gebracht hatte.
Sie war glücklich. Chayenne liebte ihren Bruder über alles und als er ihr zugesagt hatte, dass sie bei ihm wohnen könne, war für sie ein Traum in Erfüllung gegangen. Wenige Tage später war sie mit Sack und Pack von zu hause ausgezogen, nach L.A. getingelt und hatte sich bei ihrem Bruder eingenistet.
Sie kamen super aus. Er sorgte sich um alles technische, alles was irgendwie Geld kostete - sie zahlten durchaus beide, aber er kümmerte sich darum - während seine Schwester sich darum kümmerte, dass was zum Essen im Haus war und sie immer was Frisches zum anziehen hatten.
Als zwei Jahre später ihr Bruder auf einmal verschwand, Wochen später zurück kam und ihr was verrücktes von Vampiren vorfaselte, glaubte sie erst, er spinne komplett. Doch seine Worte waren ernst gemeint und als er wieder abhaute und nicht wieder kam, fing sie an, daran zu glauben. In ihr keimte ein Hass gegen die Wesen der Nacht, eine Verzweiflung, ihrem Bruder nahe sein zu wollen, eine Sehnsucht danach, alles darüber zu wissen und manchmal ein Verlangen danach, unsterblich zu sein. Alles war in ihr, stritt um die Vorherrschaft und immer wieder zweifelte sie selbst an sich, an ihrem Ziel...
Sie begann, alles darüber zu lesen, was es über Vampire zu wissen gab, fing an, die unsinnigsten Mythen und Legenden zu glauben und beobachtete die Nachrichten intensiver. Überall sah sie nun Vampire, hinter jedem Mord, hinter jedem Unglück steckten die Bösen...
Ankunft - Gebissen - Verwandelt - Verloren
A DREAM
Schweißgebadet schreckte sie aus ihren Alpträumen hoch. „NEIN“ war das Einzige, das sie keuchend hervor brachte. „Nein“ wisperte sie noch einmal leise. Leise wimmernd, schlang sie ihre schlanken Arme um ihre Knie und drückte sie an ihren zitternden Körper. Sie war schweißgebadet, dennoch fühlte sich ihre Haut kalt an. Sachte wippte sie in dem Bett, das schon recht alt war und bei jeder Bewegung leise knarrte, vor und zurück.
Dieses vor und zurück, sowie das stetige Rauschen der Bäume im Wind hinterm Haus, den sie durch das offene Fenster hörte, beruhigte sie langsam und sie kuschelte sich wieder unter die warme Decke. Dennoch blieb sie wach liegen und schaute starr an die hölzerne Decke des Zimmers.
SIBLINGS
Zu ihrem Bruder Marco hatte Chayenne stets ein ganz besonderes Verhältnis. Sie waren ihr ganzes Leben gut miteinander ausgekommen und er hatte immer auf sie aufgepasst, sich um sie gesorgt. Sie konnte mit ihm über alles reden und erzählte ihm all ihre Sorgen, Probleme und Freuden. Er war für sie ein Vorbild und Freund und sie hatte es noch nie verstanden und würde es wohl auch nie verstehen, dass andere Geschwister sich oft nicht verstanden. Für sie war ihr Bruder das Beste, das ihr je hatte passieren können.
Als Chayenne zwanzig wurde, schenkte er ihr eine silberne Kette mit einem kleinen Herz aus Opal. Sie trägt diesen Schmuck bis heute und legte ihn nie ab. Es war für sie das Wertvollste, das sie besaß. Er gab ihr das um ihr zu zeigen, dass sie für ihn nicht nur seine kleine Schwester war, sondern auch seine Freundin, der er vertraute.
Zwei Wochen darauf verschwand er. Es war ein Samstagabend und wie jede Woche ging er mit seinen Freunden in deren Stammlokal, um Billard zu spielen und zu plaudern, da sie alle arbeiteten und unter der Woche nicht so viel Zeit für einander hatten. Auch Chayenne gehörten zu dieser Gruppe, die jede Woche fort ging, um sich zu treffen. Dieses Mal wollte Chayenne zu Hause bleiben. Ihr war nicht gut und sie legte sich lieber schlafen, um nicht krank zu werden. Also ging Marco alleine mit den anderen fort. Das war das letzte Mal, dass sie ihn sah, er kam nicht wieder.
Als er am nächsten Morgen wachte sie recht früh auf. Es ging ihr schon wieder besser und sie schlich sich leise in Marcos Zimmer, um sich an ihn zu kuscheln und bei ihm ein wenig weiter zu schlafen, wie so oft seit sie in Los Angeles bei ihm eingezogen war. Als sie die Tür öffnete sah sie sofort, dass das Bett leer war. Sie wunderte sich, so lange waren sie doch nie fort gegangen. Sie schaute sich nochmals um und auf die Uhr, um sich zu vergewissern, dass es wirklich schon Morgen war, bevor sie wieder in ihr Zimmer ging, um dort zu warten.
Sobald sie sich sicher war, Sascha, einen Freund von Marco, nicht mehr zu wecken, ging sie zum Telefon und rief ihn an, um ihn zu fragen, ob Marco vielleicht bei ihm sei. Es wäre ja möglich, wenn auch für Marco untypisch, dass er zu viel getrunken hatte und bei Sascha schlief, um nicht alleine nach Hause zu müssen.
Sascha jedoch war verwundert, da sie am vorigen Abend nicht all zu lange fort gewesen waren. Er erzählte ihr, dass sie das Lokal ungefähr um eins verlassen hatten, um nach Hause zu gehen. Die meiste Strecke des Weges gingen sie zusammen, da Sascha nicht weit von ihnen entfernt wohnte. Nur das letzte Stück war Marco also alleine gegangen und anscheinend nie zu Hause angekommen…
Alarmiert schaltete Chayenne die Polizei ein, informierten sie über alles was sie über Marco wissen mussten. Den ganzen Tag saß sie ziemlich verzweifelt zu Hause in der viel zu leeren Wohnung, schrak hoch, wenn es an der Tür klingelte oder das Telefon ging, einerseits hoffend, dass es Marco war, andererseits voller Angst, die Nachricht und somit die Gewissheit zu bekommen, dass er nie wieder nach Hause kommen würde. Die schlimmsten Geschichten malte sie sich aus, aber Marco wurde nicht gefunden…
VAMPIRES
Wochen später, mitten in der Nacht wachte Chayenne auf, aufgeschreckt durch ein Scheppern im Gang und glitt leise aus dem Bett, um nachzuschauen, was da draußen vor sich ging. Kaum hatte sie ihre Zimmertüre geöffnet, stieß sie einen Schrei aus und rannte auf Marco zu, der im Gang zusammengebrochen war. Was passiert war wusste sie nicht und auch nicht, wo er war und warum die Polizei ihn nicht gefunden hatte.
Es war ihr alles egal und schluchzend umarmte sie ihren geliebten Bruder, den zu verlieren sie so gefürchtet hatte. Schnell wurde er von Chayenne in sein Bett gebracht und besorgt und neugierig fragte sie ihn nun. „Wo warst du? Was ist passiert? Bist du krank? Wie geht es dir?...“, sprudelten ihre Fragen aus ihr heraus und mit großen, verzweifelten Augen blickte sie ihn an.
„Ich… Ach Chayenne… Warum bin ich nur fortgegangen… Ich wünschte, ich wäre hier geblieben… Dann… wäre ich nicht das, was ich nun bin…“, brachte der Bruder hervor und sie blickte ihn verständnislos an. „Was… was bist du?? Was meinst du? Sag doch was!“ Mit den letzten Worten wurde sie lauter, senkte ihre Stimme aber sofort wieder, als Marco ihr die Finger auf die Lippen legte. „Ich bin nicht mehr das, was ich einmal war… Chayenne… Ich muss dich verlassen, ich muss weit weg von hier, sonst… Ich will nicht etwas tun, was ich bereuen würde… Ich… wurde gebissen…“
„Gebissen von was? Einem Hund? Einer Katze? Was meinst du? Und was würdest du bereuen? Marco… Was ist los? Ich versteh gar nichts!“ Ihre Stimme wurde panischer und in Chayennes Augen konnte man den Schmerz und die Verständnislosigkeit lesen, die sie bedrückte. „Ach meine Kleine…“, seine Stimme war zärtlich und sanft streichelte er ihre Wange, in die sie sich kuschelte. „Du bist so… unschuldig, aber ich muss dir diese nehmen. Dir vertrau ich, dir erzähle ich, was passiert ist, aber du darfst es niemandem sonst erzählen.“ Nach ihrem stummen Nicken fuhr er fort. „Ich bin gestern mit Sascha nach Hause gegangen. An der Weggabelung haben wir uns getrennt und er meinte noch, ich soll keinem Nachtteufel über den Weg laufen. Nun, ich denke damit hat er wohl nicht gerechnet. Auf den letzten Metern bin ich einem Mann begegnet, einem, den ich schon in der Bar gesehen hatte. Er hat mich den ganzen Abend beobachtet und ich hatte irgendwie das Gefühl, dass er etwas von mir wollte. Was es genau war, erfuhr ich nun.“
Mit großen Augen blickte Chayenneh Marco an. „War er homosexuell?“ und ihr Bruder lachte lese auf. „Glaub mir, es wäre mir lieber gewesen, er wäre es gewesen und hätte nur meinen Körper gewollt. Aber… Er wollte etwas ganz anderes. Und weil du gefragt hast, ob er homosexuell ist. Ich denke ja, denn anscheinend hab ich ihm gefallen.“ Ein wenig angewidert verzog Marco das Gesicht und ein schnelles Schmunzeln glitt über Chayennes Lippen. Sie wusste, dass er absolut nichts für solche Typen übrig hatte, vor allem, wenn sie ihm zu nahe kamen. „Naja, er sagte, er wolle mich und als ich ihm klarmachen wollte, dass ich nicht auf Typen stehe, kam er näher und lächelte nur, wobei ich seine Zähne sah… Schneller als ich reagieren konnte, hatte er meine Hand gefasst und seine Zähne in meinen Hals gegraben… Chayenne! Es war ein Vampir! Ich weiß, alle halten sie für Märchen, aber … es gibt sie wirklich…“ Entsetzt schüttelte sie den Kopf und starrte ihn nur mit großen Augen an. Es konnte nicht wahr sein! Nie! Diese Wesen waren doch nur dazu da, dass kleine Kinder Angst bekamen… Seine Stimme brach zusammen und seine kleine Schwester sah, wie Tränen in seinen Augen glitzerten, was sie mehr erschreckte als alles andere. Er war ihr großer Bruder! Er beschützte sie vor allem! Ihn jetzt weinen zu sehen, traf Chayenne tief und verunsicherte sie. Es musste wahr sein, was er sagte, warum sonst hätte er solche Angst…
„Nachdem er von mir getrunken hatte, dachte ich, nun sterbe ich… Aber es kam anders, warum weiß ich nicht. Der Vampir… Sein Name war Jasper… Er biss in seinen Arm und hielt mir ihn dann hin, um mir sein Blut anzubieten. Im ersten Moment wollte ich mich wehren, aber er zwang mich, indem er mir den Arm an meine Lippen presste und so trank ich...“ Erschreckt hob sie ihren Kopf, den Chayenne bisher in seiner Hand gehabt hatte. „Was?... Bist du jetzt auch? Bist du…?“ Und Marco nickte leicht. „Ich wurde zum Vampir gemacht, deswegen bin ich auch erst in der Nacht heim gekommen. Der Vampir hat mich einfach... liegen gelassen, es war ihm vollkommen egal was aus mir wird. Ich hab mich versteckt, musste mit mir selber auskommen, mir klar werden was jetzt eigentlich los ist... Und musste trinken... aber ich… ich wollte zu dir… Ich will nicht bleiben... nur... nicht einfach ohne Wort verschwinden.“
Erschöpft legte sich Marco nun auf den Rücken und sie blickte nur stumm auf ihn nieder. Chayenne wusste, dass Marco sich schon immer für diese Wesen, Werwölfe und Vampire interessiert hatte und sie fragte nach, um zu verstehen, wissen, wie sie reagieren sollte… Mit einem Ruck drehte er sich zu seiner Schwester um. „Deswegen muss ich verschwinden Chayenne. Ich will dir nicht gefährlich werden… Ich werde wieder verschwinden. Vergiss mich nicht Schwesterherz…“
Entsetzt blickte sie ihn an. „Nein! Nein, das darfst du nicht tun! Du darfst mich nicht alleine lassen! Nimm mich mit, lass mich nicht zurück! … Gibt… Gibt es eine andere Möglichkeit? Irgendwas? Kannst du nicht wieder… normal werden?“ Sie klammerte sich an seinen Arm und ihre Augen waren mit Tränen gefüllt, die sie versuchte wegzublinzeln. Eine Träne, die ihre Wange hinab rann, strich Marco sanft weg. „Ich weiß es nicht. Was soll es schon für eine Möglichkeit geben? Ich bin… verflucht… Aber vielleicht gibt es eine Möglichkeit… Ich muss allerdings nachschauen in den Büchern, die ich hab… Aber jetzt schlaf, OK?“ Misstrauisch blickte sie ihn an. „Nein, ich geh nicht weg. Ich schlaf bei dir. Ich will nicht, dass du dich nachher davon schleichst…“, antwortete sie entschlossen und mit einem resignierten Seufzen gab er nach.
ALONE
Er hatte sie betrogen, hatte sie verlassen, war einfach abgehauen sobald sie geschlafen hatte und immer noch war sie deswegen wütend auf ihn. Doch ihre Einsamkeit, die Angst vor den Wesen der Nacht holten sie immer wieder ein, verdrängten die Wut auf ihren Bruder und machten einer Trauer Platz. Man hatte ihn nie gefunden, hatte ihn nie wieder gesehen und sie hoffte immernoch, irgendwann wieder von ihm zu hören. Doch egal wieviel sie sich einredete, Chayenne wusste es, sie wusste, dass er sich selbst das Leben genommen hatte, aus Angst ihr gefährlich zu werden und genau das war es, was ihr das Herz brach. Sie hatte ihren geliebten Bruder verloren…
Niemand wusste davon, alle auch ihre Eltern, Schwester und Freunde… Alle wussten nur dass er weg war. Doch immer noch wachte sie auf, Nacht für Nacht, träumte von ihm, von den Wesen, die sie in ihren Träumen auslachten… Nacht für Nacht weinte sie… Nacht für Nacht schwor sie Rache…
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