Anabelle Malloy

Name
Heißen tu ich Anabelle Malloy, werde aber eigentlich nur »Belle« oder »Fratz« gerufen, kommt ganz darauf an, ob ich schon wieder etwas angestellt hab oder nicht.


Alter
Ich bin schon stolze sieben Jahre alt und wurde am 25. Juli 1999 geboren. Mein Sternzeichen ist also Löwe. Allerdings ist es nicht nur mein Sternzeichen, ich bin auch so wie einer.


Zeitalter
Gegenwart – »Dreamcatcher«


Herkunft
In einer kleinen Wohnung mitten in Florida wurde ich geboren. Warum nicht im Krankenhaus ist ganz einfach zu erklären, ich bin einfach zu schnell gewesen und vor allem unerwartet. So hat es mir meine Mam immer wieder erzählt, wenn ich sie gefragt hatte. Meine Familie ist aus der Mittelschicht und wir waren weder besonders reich, noch besonders arm. Was ich wollte, bekam ich oft, allerdings nicht alles und immer. Ich war keines von den Kindern, das alles in den Hintern geschoben bekommen hat, allerdings hab ich einige Male doch durchgesetzt, was ich wollte, auch wenn ich dazu alle Register ziehen musste, die ein Kind so drauf hat.


Aussehen
Meine Hautfarbe ist recht hell, fast milchfarben könnte man sagen. Auch ist sie recht weich und eigentlich durch keine Unreinheiten oder sonstiges getrübt. Die typische Haut eines kleinen Kindes eben, das noch nicht in die Pubertät gekommen ist. Auch meine Haare sind noch so weich, wie man es von Kindern gewohnt ist. Manche würden sie spöttisch als Federn oder Flaum bezeichnen, ich mag meine ganz hellblonden Haare. Sie sind nicht einmal schulterlang, gehen mir knapp so weit, dass ich sie noch hinters Ohr schieben kann. Ein paar kleine Wirbel sorgen dafür, dass sie irgendwie nie ordentlich wirken, außer ich hab mich gerade eben gekämmt.

Meine Augen sind von einem wirklich strahlenden Blau und blicken eigentlich immer neugierig oder recht frech in die Gegend. Meine Mam hat einmal behauptet, man könne an ihnen sehen, wenn ich wieder etwas aushecke. Irgendwie doof, das soll man doch nicht sehen. Wie groß ich bin, hm, keine Ahnung. Ich würd sagen, für ein siebenjähriges Mädchen durchschnittlich, weder rage ich aus den anderen Kindern heraus, noch bin ich besonders klein.
Schmuck… Eine silberne Kette hab ich um den Hals, an der ein kleiner Anhänger ist. Er ist oval und wenn man ihn aufmacht, sieht man auf der einen Seite ein kleines Foto von meinem Dad und auf der anderen Seite eines von meiner Mam.

Tragen tu ich am liebsten irgendwelche Hosen, die dunkel sind, damit man Grasflecken oder so nicht sofort sieht, weil sonst meine Mam wieder ausflippt, weil ich, wie sie sagt, schon dreckig bin, wenn ich das Gewand erst anziehe. Meist sind es Jeanshosen, denn Stoffhosen hat meine Mam schon längst aufgegeben. Die sind schneller zerrissen als man schauen kann. Oberteile sind im Sommer T-Shirts, im Winter Pullis, was soll ich groß dazu sagen. Und an manchen Tagen darf ich sogar ein Kleid anziehen. Allerdings nur, wenn ich bei Mama bleibe. Sie hat einfach Angst, dass ich sonst wieder total dreckig und zerrissen wieder komme. Warum nur?


Charakter und Eigenheiten
Ich glaub, meine Mam würd jetzt sagen »Sie ist ein Fratz« … Nun, es stimmt vermutlich auch. Was wohl am schnellsten auffällt, ist, dass ich absolut nicht schüchtern bin, ganz im Gegenteil. Vorlaut, neugierig, wissbegierig und frech trifft es wohl eher. Ich kann nicht still sitzen und mir zwei, drei Stunden lang anhören, wie eine Freundin meiner Mam irgendetwas erzählt. Nach spätestens fünf Minuten fang ich an zu quengeln oder stelle so indiskrete Fragen, dass sie froh sind, mich in den Garten oder auf die Straße zu den anderen Kindern entlassen zu können. Und dort bin ich dann eigentlich meistens »Anführerin«. Ich sag meistens, was wir machen und wie wir es machen. Auch wer dabei sein darf oder nicht. Lustigerweise folgen mir auch die Jungs, was ich immer toll finde. Hier kommt mein Sternzeichen deutlich hervor, ich stehe einfach immer, überall und andauernd im Mittelpunkt und ich muss sagen, es gefällt mir.

Wenn ich etwas wissen will, dann frag ich das auch. Mich hinterm Berg zu halten, ist nicht meine Art und vor allem würde ich so ja nicht zu den Antworten kommen, die ich will. Freiwillig wird mir nämlich nicht alles verraten. Natürlich erfahre ich auch so nicht alles, was mich schrecklich wurmt, aber irgendwann… werd ich alles herausfinden. Vielleicht ist das auch der Grund, warum man mich als frech bezeichnet, weil ich kein Blatt vor den Mund nehme und sogar schon manche Flüche aufgeschnappt hab, auch wenn meine Mam mich dann immer recht entsetzt anschaut und meint, dass sich das für ein kleines Mädchen nicht schickt. Na und? Ich wollte nie ein kleines Mädchen sein.

Manchmal, man glaubt es kaum, kann ich sogar meine Klappe halten. Allerdings ist das wohl eher kein gutes Zeichen, denn dann bin ich müde. Und zusätzlich oft ziemlich raunzig. Am besten steckt man mich dann in ein Bett, wobei ich dann natürlich sofort der Meinung bin, gaaarnicht müde zu sein. Welches Kind geht auch gerne und freiwillig ins Bett? Das wäre ein Bruch der Regeln. Na ja, manchmal kann ich doch recht ruhig sein, auch wenn ich nicht müde bin. Selbst ich muss manchmal nachdenken über das, was ich so alles erfahren habe, oder ich hecke was aus, dann bin ich auch oft still.


Talente
Auch wenn ich recht jung bin, ich kann auf einem Pferd sitzen… Na ja, OK, auf einem kleinen Pferd oder einem Pony. Ich bin zwar noch nicht sonderlich gut im Reiten, hab ich doch erst vor einem halben Jahr damit angefangen, aber ich lerne recht schnell. Ich liebe Pferde und bin von diesen Tieren irrsinnig angetan.

Das zweite, was ich – außer frech und vorlaut sein – noch kann, ist singen. Meine Mam meint immer, ich sollte eine musikalische Ausbildung machen, was mich nie sonderlich interessiert hat. Welches Kind denkt in dem Alter an seine Zukunft? Allerdings hat sie schon Recht, ich singe recht gut. Selten liege ich tonmäßig daneben und ich träller auch wirklich gerne vor mich hin. Ein Instrument spiele ich nicht, wollte ich irgendwie nie lernen.


Alptraum
Mein schlimmster Alptraum? Ich weiß es nicht, es gibt so vieles, vor dem ich mich des Nachts fürchte. Allerdings gibt es etwas, vor dem ich mich wirklich am meisten fürchte. Vielleicht schlafe ich deswegen nur, wenn ein kleines Licht neben meinem Bett steht. Immer wieder, wenn ich einschlafe, träume ich von einer Dunkelheit, die mich umgibt, aber nichts Tröstendes ist daran, keine Wärme oder Geborgenheit. Nein, diese Dunkelheit ist kalt, klamm und macht mir Angst. Sie scheint unendlich zu sein, denn egal, wie weit ich auch laufe, sie hört nicht auf.

Nicht nur, dass es so dunkel ist und so einsam um mich herum, nein, es ist auch irgendwie bedrückend, scheint mir die Luft abzuschneiden, umso weiter ich laufe. Doch ich kann nicht stehen bleiben. Hinter mir bröckelt die Welt und verliert sich im Nichts. Ich fühle mich verloren, einsam und verlassen in dieser Welt aus Angst und Dunkelheit. Immer wieder habe ich das Gefühl, dass ich alleine bin, einsam, zu niemandem gehöre, den ich liebe, und das macht mir Angst. Vor mir das Ersticken, hinter mir das Nichts, gefangen in der Dunkelheit beginne ich zu schreien und wache auf, gebadet in kaltem Schweiß und am ganzen Körper zitternd…


Was geschah....
Ich war recht aufgeregt. Mein Dad wollte mit mir einen Schiurlaub machen! Nur wir zwei. Wie ein durchgedrehtes Etwas flitzte ich durch die ganze Wohnung und suchte mir alles zusammen, was ich mitnehmen wollte. »Mama, wo sind meine Socken? Und der dunkelgrüne Pulli? Ich will meinen dunkelgrünen mitnehmen. Den rosaroten mag ich nicht, der kratzt so!«, rief ich meiner Mam hinterher, als sie gerade meinen Schianzug, den ich ganz neu bekommen hatte, aus dem Kasten holte. Es war so furchtbar aufregend. Noch nie war ich mit Papa alleine in den Urlaub gefahren. Mama war schwanger, im sechsten Monat, hatte sie mir gesagt, und ich würde einen kleinen Bruder bekommen. Eigentlich wollte Papa ja nicht weggehen, aber sie meinte, dass sie ein paar Tage Ruhe ganz gut gebrauchen könnte und so hat mein Dad beschlossen, dass wir Schifahren gehen. Ich bin erst einmal auf den Schi gestanden und war schon neugierig, ob ich es noch konnte. Endlich waren wir im Auto und fuhren in Richtung Norden, auf in das Abenteuer!


Es waren recht wenige auf der Piste unterwegs und wir machten an einer kleinen, eher flacheren Stelle eine kleine Pause, blieben stehen, um ein wenig die Beine auszuruhen, vor allem meine Beine. Es war wirklich anstrengend, so viel zu fahren, aber es machte ganz viel Spaß. Papa hat gemeint, das wäre unsere letzte Abfahrt, damit wir noch was Nettes essen gehen können und schlafen. Morgen würden wir wieder früh hinauffahren. Einerseits wäre ich ja noch gern geblieben, aber andererseits wackelten meine Knie schon ganz schön. Nach ein paar Minuten grinste ich meinen Dad an. »Wer schneller unten ist, hat gewonnen.«, und flitzte auf meinen Schiern los, bevor er reagieren konnte. Das dumpfe Grollen im Hintergrund beachtete ich nicht.

Auf einmal sah ich, wie einige neben mir im Schuss hinunter fuhren, die Panik stand ihnen ins Gesicht geschrieben und ich drehte meinen Kopf, um nach Papa zu schauen. Auch dieser drehte sich nach hinten und ich sah, was alle so in Panik versetzte. Hinter uns wälzte sich eine riesige Masse aus… weiß … den Abhang herunter in einem Tempo, das nicht zu beschreiben war. Ich hörte schrille, panische Schreie, realisierte nicht, dass sie von mir waren, als mein Dad zu mir aufholte, mich unter den Armen griff und auf seine Schi stellte, so wie ich anfangs fahren gelernt hatte. Mit einem Arm hielt er mich fest umklammert, während er, genau wie alle anderen, einfach nur noch schaute, dass er weg kam, weg von dem Grollen hinter uns.

Der Wind war eisig und kleine Kristalle wehten in mein tränennasses Gesicht, während Dad versuchte, uns von der Gefahr wegzubringen. Ich hatte das Gefühl, meine Nase wäre abgefallen und auch die Ohren, trotz Kappe, spürte ich nichts mehr. Doch es schien nichts zu nützen, immer näher kam das Rumpeln und ich spürte regelrecht, wie der Schnee hinter uns nach uns gierte, uns versuchte einzuholen, uns lebendig zu begraben. Es ging so schnell, so unglaublich schnell. Dad stürzte, konnte nicht mehr fahren, so bebte der Boden und die Lawine überrollte uns. Ich versuchte mich irgendwo festzuhalten, nicht zu fallen, doch der Schnee war stärker. Nur der Griff von meinem Vater ließ nicht locker, hielt mich fest, als wäre er angeschweißt. Ich weiß nicht, wie oft wir uns drehten, wie oft wir um uns selbst geschleudert wurden…


Doch irgendwann war es zu Ende. Stille umfing uns, das Grollen wurde leiser, aber wir waren gefangen, uns umgab Dunkelheit und Kälte. Unglaublich schwer lastete der Schnee auf unseren Körpern. Noch konnte ich atmen, ganz leicht, doch die Luft wurde knapper und meine Panik stärker. Der ganze Körper schmerzte, immer noch wurde ich von meinem Vater festgehalten, doch dieser war leblos, schien nicht mehr zu atmen. Panisch wollte ich schreien, doch als ich den Mund aufmachte, kam nichts heraus, nur schmeckte ich Schnee, der sich auf uns drückte und mir so meine letzte Luft raubte… Die Dunkelheit umfing mich…
Nur ein Traumfänger in rot-rosa Tönen blitze auf und ich wollte noch sagen, dass ich die Farbe scheußlich fand, als meine Sinne schwanden…


Heute Nachmittag hat sich ein Schneebrett im beliebten Schigebiet Big Mountain gelöst. 28 Menschen fanden den Tod unter den gewaltigen Massen aus Schnee. Nur 3 Menschen überlebten das Unglück. Eine junge Frau kam mit dem Schock und ein paar leichten Verletzungen davon. Ein 48-jähriger Schilehrer und ein kleines Mädchen liegen im Koma. Das Mädchen wurde unter ihrem Vater begraben gefunden, der das Unglück leider nicht überlebt hat. Ob sie und der Schilehrer je wieder aufwachen, ist ungewiss…



Wunschtitel
Fratz


Geschichte: